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Halbjahresbilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie / Keine Erholung, Investitionen weiter rückläufig

ID: 2262650

(ots) -
- Produktion im ersten Halbjahr rund drei Prozent unter Vorjahr
- Umsatz sinkt auf 106 Milliarden Euro
- Investitionen gehen das dritte Jahr in Folge zurück
- Entschlossener Reformkurs zur Stärkung des Industriestandorts nötig

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland kommt aus der Krise nicht heraus. Zwar entwickelte sich das erste Halbjahr 2026 etwas besser als die zweite Jahreshälfte 2025. Von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch keine Rede sein. Die Produktion lag rund drei Prozent unter Vorjahr, der Umsatz sank um ein Prozent auf 106 Milliarden Euro. Gleichzeitig gehen die Investitionen weiter zurück - bereits das dritte Jahr in Folge. Für den Verband der Chemischen Industrie (VCI) ist dies ein Warnsignal.

"Die Halbjahresbilanz ist enttäuschend", fasst VCI-Präsident Markus Steilemann zusammen."Eine leichte Belebung ist kein Grund zur Entwarnung. Dafür sind vor allem Sondereffekte aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost verantwortlich. Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende. Grundsätzlich bin ich aber weiter von dem großen Potenzial unserer Branche als Treiber für die notwendige Transformation zu Nachhaltigkeit und Resilienz überzeugt."

Unternehmen füllen derzeit wegen des Kriegs am Golf ihre Lager auf, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen. Gleichzeitig ließ der Wettbewerbsdruck aus Asien durch die Sperrung der Straße von Hormus vorübergehend nach.

Vor diesem Hintergrund hat sich das Inlandsgeschäft der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den ersten sechs Monaten zuletzt etwas stabilisiert. Die Exporte sind jedoch weiterhin schwach. Viele Anlagen sind nach wie vor unterausgelastet. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021.

Viele Unternehmen rechnen auch für die kommenden Monate mit einer schwierigen Geschäftsentwicklung. Steigende Kosten, schwache Absatzmengen und der insgesamt intensive internationale Wettbewerb setzen die Erträge weiterhin unter Druck. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI deshalb einen Produktionsrückgang von 1,5 Prozent. Von weiteren Prognosen sieht der Verband angesichts der volatilen geopolitischen Lage derzeit ab.





Deutschland fällt weiter zurück

Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VCI der Rückgang der Sachanlageinvestitionen. Sie liegen rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2023. Diese Entwicklung passt zu einem alarmierenden Gesamtbild: Die produktiven Nettoinvestitionen in Deutschland liegen einer Studie zufolge nur noch bei etwa 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch in Europawerden Produktionskapazitäten abgebaut, ohne dass ausreichend in neue Anlagen und Zukunftstechnologien investiert wird. Für die Unternehmen zählen hohe Energie- und Produktionskosten sowie weitere negative Rahmenbedingungen in Deutschland zu den größten Investitionshemmnissen.

Reformpaket ist erster Schritt

Vor diesem Hintergrund kommt es aus Sicht des VCI jetzt darauf an, dass die bisherigen Einzelmaßnahmen der Bundesregierung in eine umfassende Strukturreform münden."Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen. Dieser Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. Zusätzliche Belastungen würden die Lage weiter verschärfen", betont Steilemann.

Der Handlungsbedarf bleibt groß. Das zeigt auch die aktuelle VCI-Mitgliederumfrage: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen sehen die Risiken einer Deindustrialisierung politisch nicht ausreichend berücksichtigt. Der Verband fordert deshalb vor allem wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie.

Trotz der anhaltenden Krise sieht der VCI weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland. Steilemann betont:"Deutschland hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft. Jetzt ist die Zeit, diese Stärken wieder zur Entfaltung zu bringen. Dazu brauchen wir auch einen Mentalitätswandel hin zu mehr Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns größer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen."

Weitere Unterlagen zur Pressekonferenz unter: www.vci.de

Fotos ab circa 13:00 Uhr unter diesem Link: https://vci.canto.de/b/L02NT (https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fvci.canto.de%2Fb%2FL02NT&data=05%7C02%7C%7Ce7add3f3640f4103440b08dee1866a89%7Cc7333dd826f044b4a568dd39525e5879%7C0%7C0%7C639196164604768889%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJFbXB0eU1hcGkiOnRydWUsIlYiOiIwLjAuMDAwMCIsIlAiOiJXaW4zMiIsIkFOIjoiTWFpbCIsIldUIjoyfQ%3D%3D%7C0%7C%7C%7C&sdata=zEDl%2BWxXGzWLp1EZl4bIDeizsKucLGj9W3clio5wLII%3D&reserved=0)

Der VCI ist Europas größter Verband für Chemie, Pharma und Biotechnologie. Mit seinen 22 Fach- und 7 Landesverbänden repräsentiert er die Interessen von rund 2.000 Unternehmen - vom Global Player bis zum hoch spezialisierten Mittelständler. Mit 230 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 und rund 545.000 Beschäftigten in Deutschland zählt die Branche zu den stärksten Treibern für Innovation, Wohlstand und Zukunft. Für eine starke chemisch-pharmazeutische Industrie von heute und morgen ist der VCI in Deutschland, in Europa und weltweit aktiv.

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Telefon: 069 2556-1496
E-Mail: presse(at)vci.de
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Datum: 16.07.2026 - 10:40 Uhr
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