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Fünf Jahre nach der Flut: Millionenhilfe steht neben den bleibenden Wunden / Zweitägiger Solidaritätsbesuch der rheinischen Kirchenleitung in Bad Neuenahr

ID: 2261461

(ots) - Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ist die Kirchenleitung der Evangelischen Kirche im Rheinland erstmals wieder für zwei Tage in Bad Neuenahr zusammengekommen (https://youtu.be/8Ru9Jd0xvyI). Sie besuchte damit den Ort, in dem die Landessynode der rheinischen Kirche von 1976 bis 2020insgesamt 45-mal getagt hatte und dabei ein wichtiger saisonaler Wirtschaftsfaktor für die Stadt war. Die zweitägige Sitzung war auch als Zeichen der Solidarität mit den Menschen gedacht, die das Synodenleben vor Ort über Jahrzehnte ermöglicht haben.

Die Martin-Luther-Kirche in Bad Neuenahr, jahrzehntelang für die Eröffnungsgottesdienste der Synodentagungen genutzt, ist noch immer geschlossen und wartet auf ihre Sanierung. Wegen der geplanten großen Umgestaltung war ein Bauantrag erforderlich. Die Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr (https://evkirche-neuenahr.de/) hat ihn vor Jahresfristeingereicht, rund 2,7 Millionen Euro an Fördergeldern sind bewilligt - aber eine Baugenehmigung liegt bisher noch nicht vor. Ein Beispiel dafür, dass die Beseitigung der Flutschäden einen langen Atem erfordert.

Fast 30 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe bewilligt

Insgesamt wurden in Rheinland-Pfalz (RLP) und Nordrhein-Westfalen (NRW) bisher 29,4 Millionen Euro an Wiederaufbauhilfe für die Instandsetzung kirchlicher Gebäude auf rheinischem Kirchengebiet bewilligt. Mehr als die Hälfte der Fördergelder ist auch bereits an die betroffenen Kirchengemeinden ausgezahlt worden. 29 flutgeschädigte Gemeinden in NRW und drei in RLP hatten Anträge gestellt. Entsprechendentfallen 26,5 Millionen Euro der Bewilligungen auf NRW-Gemeinden und 2,8 Millionen Euro auf Gemeinden in RLP. Die höchste Einzelförderung ging dabei an die Kirchengemeinde Volberg-Forsbach-Rösrath (https://www.evkirche-roesrath.de/) (Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch): Sie erhielt rundsechs Millionen Euro für den Neubau der Kita Volberg (https://news.ekir.de/meldungen/wiederaufbauhilfe-frohe-nachrichten-aus-volberg-36187) in Rösrath. Über eine der aktuellsten Bewilligungen in Höhe von 1,9 Millionen Euro kann sich nach langem Verfahren die Evangelische KirchengemeindeLeichlingen (https://www.kirche-leichlingen.de/) im Kirchenkreis Leverkusen freuen. Dort wurden insgesamt acht Gebäude durch die über die Ufer getretene Wupper beschädigt, darunter die Kirche und das benachbarte Gemeindezentrum.





Erinnerung und Gedenken nichtüberall ein Bedürfnis

Aber Geld heilt längst nicht alle Wunden, das wurde auch beim Besuch der Kirchenleitung in Bad Neuenahr wieder deutlich. Auf die Frage, ob es in der Martin-Luther-Kirche nach der Sanierung noch ein Zeichen der Erinnerung geben werde, antwortete Baukirchmeister Harmen Eckert zurückhaltend:"Es gibt in Bad Neuenahr viele, die alles weghaben wollen, was sie an die Flut erinnert."Auch die Teilnahme an Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag ist keineswegs allen ein Bedürfnis. Und der gerade neu ins Amt gewählte Gemeindepfarrer Sung Kwon Kim beschrieb die Stimmung in der Gemeinde so:"An Tauffeste an der Ahr ist momentan nicht zu denken. Und Psalmen, in denen das Wort Flut auftaucht oder die lebensspendende Kraft des Wassers beschrieben wird, sind schwierig."Selbst die Jahreslosung 2026 ("Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!") traf nichtüberall auf Wohlwollen, wie Prädikantin und Presbyterin Jana Seifert zu berichten wusste:"Eine Frau in der Frauenhilfe hat gesagt: Ich habe nicht gedacht, noch mal alles neu machen zu müssen."Aber Seifert hat auchökumenische Solidarität erfahren: Weil die Martin-Luther-Kirche noch immer gesperrt ist, wurde in diesem Jahr Konfirmation in der katholischen Kirche in Grafschaft-Lantershofen gefeiert.

Gesellschaftliche Relevanz von Kirche erlebt

Mit Claudia Müller-Bück (Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel) und Rolf Stahl (Kirchenkreis Koblenz) fassten auch zwei Superintendent*innen aus betroffenen Kirchenkreisen vor der Kirchenleitung ihre in fünf Jahren gesammelten Eindrücke zusammen."Die Flut hat gezeigt: Kirche hat weiterhin Relevanz für die Gesellschaft", sagte Müller-Bück."Wir haben große Hilfe erfahren. Und uns ist die Vernetzung der Helfenden vor Ort gelungen."Die Menschen im Ahrtal hätten seit der Flut eine andere Identität als außerhalb, ist ihr Amtskollege Stahl überzeugt. Und er berichtete bei aller Hilfsbereitschaft zugleich von der Erfahrung, dass Hilfe bisweilen auch als übergriffig erlebt wurde."Fünf Jahre sind lang und kurz: Man sieht die Wunden noch deutlich. Und vieles ist nicht mehr, wie es mal war - und wird es auch nicht wieder sein. In der Psyche der Menschen ist noch vieles ganz frisch."Eine Konsequenz aus den Erfahrungen ist für Claudia Müller-Bück, dass die Resilienz von Pfarrerinnen und Pfarrern und anderen Mitarbeitenden weiter gestärkt werden muss."Denn uns wird ein großer Vertrauensvorschuss entgegengebracht."

Stichwort: Gedenkfeier im Landtag

Mit einer Gedenkfeier im NRW-Landtag in Düsseldorf wird am 14. Juli an die Opfer der Flutkatastrophe vor fünf Jahren erinnert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird ebenso Gedenkworte sprechen wie Ministerpräsident Hendrik Wüst und Landtagspräsident André Kuper (beide CDU). Außerdem hält Superintendentin Claudia Müller-Bück (Kirchenkreis Bad Godesberg-Voreifel) eine Ansprache. In Rheinland-Pfalz starben bei der Flut 136 Menschen, fast alle im Ahrtal. In Nordrhein-Westfalen gab es 49 Tote.

Autor: Ekkehard Rüger

Hinweis an die Redaktionen: Zwei Vorher-nachher-Bilder von der Telegrafenstraße (https://mediencenter.ekir.de/pages/view.php?ref=94635&k=0e18d9495c) und der Martin-Luther-Kirche (https://mediencenter.ekir.de/pages/view.php?ref=94634&k=910b5b1c8a) in Bad Neuenahr bieten wir im Download zur freien redaktionellen Verwendung an, ebenso ein Vorher-nachher-Schieberbild von der Telegrafenstraße, das Sie bei Bedarf über den unten stehenden Embed-Code auf Ihrer Webseite einbauen können. Bitte beachten Sie dabei jeweils den Copyright-Hinweis EKiR/Marcel Kuß.

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