EU-Zollerhöhung verteuert Einfuhr von China-Ware / eCommerce-Markt wird laut Berliner Zolldienstleister eClear um zwei Drittel einbrechen

(ots) - Mit der Einführung neuer Zölle sorgt die EU ab morgen für deutlich steigende Preise im Onlinehandel: Auf günstige Importwaren wie Dekoartikel, Schmuck oder Textilien, die bislang bis zu einem Warenwert von 150 Euro zollfrei eingeführt werden konnten, fallen künftig pauschal 3 Euro Einfuhrzollpro Warengruppe an. Eine Handyhülle, eine Jeans, ein Lippenstift, macht 9 Euro zusätzliche Zollgebühren.
"Die Entscheidung der EU wird die Menge vonüber 5 Milliarden Kleinpaketen pro Jahr um zwei Drittel einbrechen lassen", sagt Roman Koidl, CEO des Berliner Zollspezialisten eClear voraus. Das Unternehmen bietet vor allem chinesischen Marktplätzen eine vollautomatisierte Abwicklung sämtlicher Zoll- und Mehrwertsteuerprozesse entlang der Lieferkette an.
Mit den neuen Zollvorschriften stehen viele Anbieter vor erheblichen digitalen Herausforderungen:"Die Marktteilnehmer müssen künftig die sogenannte Vorverzollung umsetzen. Dabei wird die Ware schon in China für den freien Verkehr in der EU verzollt. Viele Anbieter ziehen sich daher kurzfristig aus dem Geschäft zurück", so Koidl. Die China Post zum Beispiel nimmt keine eCommerce-Pakete mehr für den EU-Markt an. Wettbewerbsfähig blieben nur jene, die ihren Warenverkehr bereits vollständig digitalisiert haben.
Koidl sieht zwei Modelle in einem veränderten Markt: das sogenannte Warenlagermodell. Dabei wird die Ware herkömmlich eingeführt, verzollt und aus einem EU-Warenlager an die Konsumenten gesendet. Das wird aber, so Koidl, das Warenangebot deutlich verändern und verteuern:"Wir erwarten eine drastische Reduzierung des Sortiments auf die Top-Seller. Der Charme eines breiten, vielfältigen Sortiments, das schnell und günstig war, kann mit teuren Warenlagern in Europa nicht aufrechterhalten werden. Der Marktplatz SHEIN habe bereits in Polen ein roboter-gestütztes Lagerhaus mit 740.000 Quadratmetern eröffnet. Das bisherige Express-Modell sei aber keinesfalls tot."Viele unserer chinesischen Kunden werden die Gebühr bezahlen oder auf alternative Verzollungsmethoden ausweichen", sagt der Unternehmer.
Ein beliebtes Missverständnis sei, dass durch die Einführung der Paketgebühr der weitgehend unkontrollierte Import von schädlichen oder nicht zugelassenen Produkten stark zurückgehen wird, sagt Koidl. Dem sei nicht so. eClear sieht weiterhin eine ungelöste, aber notwendige Weichenstellung:"Für eine nachhaltige Marktentwicklung im Handel mit China und anderen Importländern benötigen wir dringend den digitalisierten Artikelpass. Er schafft Transparenz und sorgt für faire Wettbewerbsbedingungen."Dabei handelt es sich um einen elektronischen Datensatz, der detaillierte Informationenüber Materialzusammensetzung, Herkunft, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit enthält. Abrufbar sind diese Daten dann direkt am Produkt über einen QR- oder Barcode."Solche Datenbanken existieren längst", so Koidl. Die Einführung sollte - zugunsten eines fairen Wettbewerbs - nunmehr unmittelbar auf die Erhebung der neuen Gebühren folgen.
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Datum: 30.06.2026 - 11:47 Uhr
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