Nach Social-Media-Empfehlungen der Expertenkommission: #UseTheNews veröffentlicht Forschungsüberblick zu Informationsnutzung und Kompetenzen junger Menschen

(ots) - Das Informationsverhalten junger Menschen, ihre Meinungsbildung und die Rolle digitaler Plattformen stehen weltweit im Mittelpunkt einer wachsenden gesellschaftlichen und politischen Debatte. In einem neuen #UseTheNews-Studienüberblick bündelt das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) das Wissen aus sechs Jahren Forschung und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Journalismus, Bildung und Medienpädagogik.
Der Forschungsüberblick knüpft damit an die gestern veröffentlichten Ergebnisse der unabhängigen Expertenkommission"Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt"an und ergänzt sie um eine zentrale Perspektive: Neben dem Schutz junger Menschen im digitalen Raum schlüsselt der Report auf, welche Kompetenzen sie brauchen, um sich darin selbstbestimmt zu orientieren.
"Die Synopse zeigt, dass Informations- und Meinungsbildung junger Menschen komplex, vielfältig und stark vom digitalen Plattformumfeld geprägt ist. Junge Menschen sind weder pauschal nachrichtenfern noch politisch desinteressiert. Aber sie informieren sich sehr unterschiedlich, ordnen Quellen nicht immer trennscharf ein und orientieren sich online zunehmend an einzelnen Persönlichkeiten. Entscheidend ist: Nicht die Plattformen allein bestimmen, was relevant wird, sondern das Bedürfnis nach Orientierung, Zugehörigkeit und Anschluss. Für Journalismus und Bildung heißt das, junge Menschen differenziert anzusprechen, Informationsungleichheiten ernst zu nehmen undAngebote zu schaffen, die Vertrauen, Wissen und gesellschaftliche Teilhabe stärken", sagt Dr. Leonie Alatassi vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut und Autorin des Forschungsüberblicks.
Auch die von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission verweist in ihren 56 Empfehlungen auf diesen erweiterten Handlungsbedarf. Darin geht es nicht nur um mögliche Altersgrenzen für soziale Medien, sondern auch um mehr Medienbildung in Schulen, einen kompetenten Umgang mit Künstlicher Intelligenz schon in jungen Jahren sowie strengere Schutzvorgaben für Plattformen.
Für Medienhäuser, Journalistinnen und Journalisten ergibt sich aus den Befunden des #UseTheNews-Studienüberblicks: Professioneller Journalismus bleibt für junge Menschen eine wichtige Informationsinstanz. Um aber auch jene zu erreichen, die bislang kaum adressiert werden, braucht es mehrals eine oberflächliche Verjüngung von Angeboten. Journalistische Inhalte müssen strukturell anders produziert, erzählt und kommuniziert werden: alltagsnah, verständlich und auf Augenhöhe. Kooperationen mit Content Creator können helfen, Reichweite und Glaubwürdigkeit gleichermaßen zu stärken.
Auch für die Medienbildung ergeben sich daraus konkrete Anforderungen: Die Vermittlung von Nachrichten- und Informationskompetenz muss konsequent auf die unterschiedlichen Voraussetzungen junger Menschen ausgerichtet sein - nach Bildungsstand, Alter und Lebenssituation. Ein geringes Gefühl von Selbstwirksamkeit ist dabei eine der größten Hürden für demokratische Teilhabe. Bildungsangebote sollten deshalb gezielt Erfahrungen von Handlungsfähigkeit ermöglichen, zum Beispiel durch Projekte, in denen junge Menschen eigene Themen setzen, Entscheidungen mitgestalten und die Wirkungihres Engagements konkret erleben. Zugleich sollten algorithmische Kompetenz und das Bewusstsein für Chancen und Risiken von KI gezielt gestärkt werden. Wirksame Medienbildung denkt dabei Schule, Familie, Peergroup und digitale Lebenswelten zusammen.
"Der Forschungsüberblick liefert eine starke wissenschaftliche Grundlage, um in Journalismus und Bildung dort anzusetzen, wo Handeln gefordert ist. Nachrichten- und Informationskompetenz ist dabei längst kein Nischenthema mehr, sondern eine Schlüsselkompetenz für demokratische Teilhabe und eine Gemeinschaftsaufgabe für Medien, Schule, Familien und Politik. Genau daran arbeiten wir als Initiative und verfolgen das Ziel, bis 2030 jedem Schulkind in Deutschland ein verbindliches Unterrichtsangebot für Nachrichten- und Informationskompetenz zu ermöglichen", sagt Vanessa Bitter, Geschäftsführerin der UseTheNews gGmbH.
Zum Forschungsüberblick
Der Forschungsüberblick"Was haben Nachrichten mit meinem Leben zu tun?"wurde von Dr. Leonie Alatassi und Dr. Sascha Hölig vom Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) im Rahmen der Initiative #UseTheNews erarbeitet. Sie basiert auf zehn wissenschaftlichen Publikationen, darunter fünf Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften, sowie rund 130 Studien, die zwischen 2020 und 2026 für den monatlichen Studienüberblick im #UseTheNews-Newsletter ausgewertet wurden. Die Grundlage bilden überwiegend qualitative Interview- und Fokusgruppenstudien mit jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren. Die Synopse ist keine eigenständige empirische Studie, sondern eine strukturierte Zusammenfassung und Einordnung der zentralen Befunde - ergänzt durch Stimmen aus der Praxis von Medienschaffenden und Bildungsakteurinnen und -akteuren.
Über das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI)
Seit 1950 erforscht das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut den Medienwandel und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen öffentlicher Kommunikation. Medienübergreifend, interdisziplinär und unabhängig verbindet es Grundlagenwissenschaft und Transferforschung und schafft so problemrelevantes Wissen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Im Jahr 2019 wurde das Institut in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Mehr unter https://leibniz-hbi.de/
Über UseTheNews
Die UseTheNews gGmbH geht der Nachrichtennutzung und -kompetenz junger Menschen auf den Grund und entwickelt neue Informations- und Bildungsangebote. Im Sinne einer funktionierenden und wehrhaften Demokratie verfolgt #UseTheNews das Ziel, Kindern und Jugendlichen bundesweit ein verlässliches Angebot zum sicheren Umgang mit Informationen und zur faktenbasierten Meinungsbildung zu machen. Dafür setzt die Initiative in Kooperation mit ihren Partnern aus Medien, Bildung und Forschung auf zeitgemäße Konzepte wie Newscamps oder Co-Creation-Projekte, die einen Austausch auf Augenhöhe sowie aktives Ausprobieren und Mitmachen ermöglichen. Initiiert wurde #UseTheNews 2020 von der Deutschen Presse-Agentur dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, begleitet von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg und dem Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Die Initiative wird von einem Kuratorium aus namhaften Persönlichkeiten aus Medien sowie Politik unterstützt und wurde im Mai 2022 auf eine rechtsgültige Basis gestellt und in die UseTheNews gGmbH überführt. #UseTheNews hat Partner in Österreich, Schweiz und den Niederlanden, die die Initiative in den eigenen Ländern vorantreiben. Mehr unter www.usethenews.de
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Datum: 25.06.2026 - 10:05 Uhr
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