Deutsches Schulbarometer: Verhalten von Schüler:innen ist die größte Belastung für Lehrkräfte

(ots) -
- Größte Hürde im Schulalltag: Das Verhalten von Schüler:innen ist für Lehrkräfte laut einer aktuellen repräsentativen Studie der Robert Bosch Stiftung die mit Abstand größte Belastung im Berufsalltag.
- Demokratiebildung mit Hindernissen: Rund jede zweite Lehrkraft wünscht sich mehr Einsatz für Demokratiebildung an ihrer Schule. Viele Lehrer:innen sind unsicher, wie sie im Unterricht mit politischen Meinungen umgehen sollen.
- KI wird zum Alltagswerkzeug: Der regelmäßige Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Lehrerzimmer hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Der Wunsch nach gezielter Unterstützung bleibt weiterhin groß.
Für Lehrkräfte in Deutschland wird es immer schwieriger, eine gute Lernatmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen. Der Umgang mit dem Verhalten ihrer Schüler:innen ist für fast jede zweite Lehrkraft (46 Prozent) die größte berufliche Belastung - ein Wert, der in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist (2024: 35 Prozent; 2025: 42 Prozent). Das ist ein Ergebnis des heute veröffentlichten Deutschen Schulbarometers der Robert Bosch Stiftung GmbH. Die aktuelle Befragung unter Lehrkräften folgt auf die im März veröffentlichte Ausgabe, in der Schüler:innen zu Wort kamen.
Hinter dem Verhalten der Kinder und Jugendlichen steckt den Ergebnissen zufolge mehr als bloße Disziplinlosigkeit. Viele Schüler:innen haben demnach Mühe, sich in eine Gruppe einzufügen (25 Prozent) oder können sich nur schwer zum Lernen motivieren (13 Prozent). Die Lehrkräfte wissen, so die Studie, dass sie zunehmend auch Fähigkeiten fördern müssen, die überreines Fachwissen hinausgehen. Zu diesen überfachlichen Kompetenzen zählen Einfühlungsvermögen, Selbstorganisation oder kritisches Denken. Die Bereitschaft, hier anzusetzen, ist groß: 82 Prozent der Befragten würden sich gerne in genau diesem Bereich weiterbilden. Allerdings fühlt sich mehr als ein Drittel (36 Prozent) dabei auf sich allein gestellt.
"Lehrkräfte leisten heute weit mehr als reinen Fachunterricht - und damit dürfen wir sie nicht allein lassen", sagt Dr. Katharina Thoren, Bildungsexpertin der Robert Bosch Stiftung."Das große Interesse an Fortbildungen ist eine echte Chance, die wir nutzen sollten, um Lehrkräfte beim Umgang mit schwierigen Unterrichtssituationen gezielt zu stärken. Aber das reicht nicht aus. Schulen brauchen dringend multiprofessionelle Teams - also mehr Fachleute wie Sozialarbeiter:innen oder Schulpsycholog:innen, aber auch Unterstützung durch Verwaltungskräfte und IT-Spezialist:innen -, damit Lehrkräfte sich wieder voll auf das konzentrieren können, was ihre eigentliche Aufgabe ist: guten Unterricht."
Demokratiebildung: Zwischen hohem Anspruch und viel Unsicherheit
Demokratiebildung gehört zu den zentralen Aufgaben von Schule. Viele Lehrkräfte sehen hier jedoch noch Nachholbedarf. Rund die Hälfte der Befragten (48 Prozent) findet, dass ihre Schule in diesem Bereich mehr tun sollte - an Schulen in sozial schwierigen Lagen sind es sogar 54 Prozent. Als Hauptgründe dafür nennen sie fehlende Zeit und zu wenig Fachwissen im Kollegium.
Erstmals zeigt das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, wie unsicher Lehrkräfte im Umgang mit politischen Äußerungen sind: Fast jede fünfte Lehrkraft (18 Prozent) fühlt sich durch ein vermeintliches Neutralitätsgebot gehemmt. Irrtümlicherweise glaubt ein Viertel der Befragten (27 Prozent), die eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern zu dürfen.
"Schule ist der Ort, an dem junge Menschen Demokratie nicht nur lernen, sondern auch erleben", so Dr. Katharina Thoren."Lehrkräfte müssen hier eine klare Rolle einnehmen können. Ihr Auftrag ist es nicht, neutral zu sein, sondern auf der Grundlage unseres Grundgesetzes Haltung zu zeigen. Dafür brauchen sie Rückendeckung - von Schulleitung, Schulaufsicht und Schulbehörde. Und natürlich auch gutes Lehrmaterial und professionelle Beratung, die ihnen im Alltag weiterhilft."
Künstliche Intelligenz: Vom Experiment zur Routine
KI-Anwendungen gehören im Lehrerzimmer zunehmend zum Arbeitsalltag. Der Anteil der Lehrkräfte, die mehrmals pro Woche mit KI arbeiten, hat sich auf 25 Prozent mehr als verdoppelt (2025: 11 Prozent). Fast die Hälfte (48 Prozent) fühlt sich inzwischen sicher im Umgang mit den KI-Tools. Besonders beliebt istKI als digitaler Helfer beim Erstellen von Aufgaben (64 Prozent) und bei der Unterrichtsplanung (58 Prozent). Dennoch äußert mehr als die Hälfte der Lehrkräfte (52 Prozent) Bedarf an Fortbildungen.
Trotz hoher Zufriedenheit: Wechselbereitschaft bei Lehrkräften bleibt hoch
Wie in den Vorjahren steht der großen beruflichen Zufriedenheit (83 Prozent) eine unverändert hohe Wechselbereitschaft gegenüber: Etwas mehr als ein Viertel der Lehrkräfte (28 Prozent) würde den Beruf aufgeben, wenn sich eine Alternative böte. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch an Grundschulen sowie an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.
Die detaillierten Ergebnisse finden Sie im Deutschen Schulbarometer Lehrkräfte unter schulbarometer.de (https://www.bosch-stiftung.de/de/projekt/das-deutsche-schulbarometer).
Über das Deutsche Schulbarometer
Seit 2019 beauftragt die Robert Bosch Stiftung regelmäßig repräsentative Befragungen zur Lage der Schulen in Deutschland. Seit 2024 werden neben Lehrkräften auch Schüler:innen befragt. Beide Erhebungen sind so angelegt, dass Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg verfolgt werden können.
Für die aktuelle Ausgabe befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa zwischen dem 11. November und dem 2. Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrkräfte an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Die Studie entstand in enger Zusammenarbeit mit einem interdisziplinären Forschungsteam der Universität Heidelberg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Potsdam.
Das Deutsche Schulbarometer soll Entwicklungen an Schulen frühzeitig sichtbar machen und daraus konkrete Empfehlungen für Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Bildungssystem ableiten.
Weitere Informationen unter www.schulbarometer.de
Unsere Expertin:
Dr. Katharina Thoren, Senior Projektmanagerin Bildung der Robert Bosch Stiftung
Tel. +49(30)220025-480
Katharina.Thoren(at)bosch-stiftung.de
Über die Robert Bosch Stiftung
Die Robert Bosch Stiftung arbeitet in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Globale Fragen. Mit ihrer Förderung setzt sie sich für eine gerechte und nachhaltige Zukunft ein. Die Stiftung ist gemeinnützig, unabhängig und überparteilich. Sie geht auf das Vermächtnis von Robert Bosch zurück. Der Unternehmer und Stifter formulierte darin den doppelten Auftrag, das Fortbestehen des Unternehmens zu sichern und sein soziales Engagement weiterzuführen.
Die Robert Bosch Stiftung GmbH unterhält eigene Einrichtungen, entwickelt innovative Projekte und fördert auf internationaler wie lokaler Ebene. Die Erkenntnisse aus ihrer Förderung bringt die Stiftung in die Fachwelt und die öffentliche Debatte ein.
Die Stiftung hält rund 94 Prozent der Geschäftsanteile an der Robert Bosch GmbH und finanziert sich aus deren Dividende. Unternehmen und Stiftung handeln unabhängig voneinander. Seit ihrer Gründung 1964 hat die Robert Bosch Stiftung mehr als 2,7 Milliarden Euro für ihre gemeinnützige Arbeit ausgegeben.
Pressekontakt:
Michael Herm
Senior Expert Kommunikation
Robert Bosch Stiftung
michael.herm(at)bosch-stiftung.de
Tel. +49-711 46084-290
Original-Contentvon: Robert Bosch Stiftung GmbH,übermittelt durch news aktuell
Themen in diesem Fachartikel:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 23.06.2026 - 05:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2258198
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Stuttgart
Kategorie:
Dieser Fachartikel wurde bisher 1 mal aufgerufen.
Der Fachartikel mit dem Titel:
"Deutsches Schulbarometer: Verhalten von Schüler:innen ist die größte Belastung für Lehrkräfte"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Robert Bosch Stiftung GmbH (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).



