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BVR-Studie zu Beschäftigung 2035: massive Verschiebungen zwischen Branchen und Regionen

ID: 2256888

(ots) -
- Beschäftigung wird bundesweit stagnieren - bei regional starken Unterschieden von plus 10 bis minus 15 Prozent
- Industrie verliert Jobs, Dienstleistungen gewinnen dazu
- BVR-Präsidentin Kolak: aktive und regionale Strukturpolitik notwendig, um strukturschwächere Regionen gezielt mit Investitionen attraktiver zu gestalten

Im Schnitt wird die Beschäftigung in Deutschland bis 2035 zwar stagnieren - zwischen Regionen und Branchen aber stehen massive Verschiebungen bevor. Der Dienstleistungssektor beispielsweise wird an Gewicht gewinnen, während die Industrie an Bedeutung verliert. Das zeigt eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Untersucht wurden alle 400 Landkreise und kreisfreien Städte.

"Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel mit unterschiedlichen Perspektiven für die Regionen. Während einige Räume Beschäftigung aufbauen und neue Branchenschwerpunkte gewinnen, gehen andernorts bis 2035 viele Arbeitsplätze verloren", sagt BVR-Präsidentin Marija Kolak. Aus Sicht des BVR unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit einer aktiven Regional- und Strukturpolitik."Unsere Prognosen sprechen dafür, den Förderrahmen zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur weiter zu erhöhen und stärker auf besonders betroffene Regionen zu konzentrieren", so Kolak. Auf diese Weise könnten strukturschwächere Regionen durch gezielte Investitionen an Attraktivität gewinnen. Wichtige Ziele seien die Erreichbarkeit von Ballungsräumen und die Lebensqualität vor Ort. Beides hänge auch davon ab, dass es Banken vor Ort gibt, die private Investitionen in den Regionen begleiten können.

Grund für die stagnierende Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist vor allem die demografische Entwicklung. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft, steigende Erwerbsquoten können das nur teilweise ausgleichen. Ungenutzte Potenziale - etwa bei Frauen, Älteren und Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit - werden wichtiger, um den Rückgang abzufedern.





Die regionalen Unterschiede sind erheblich. In weiten Teilen Süddeutschlands und der Weser-Ems-Region, in Schleswig-Holstein sowie in Berlin und seinem Umland wächst die Beschäftigung bis 2035 weiter - in einzelnen Landkreisen um rund zehn Prozent. Sie profitieren von einer stabilen Bevölkerungsentwicklung, einer guten wirtschaftlichen Ausgangslageund einer hohen Attraktivität für qualifizierte Fachkräfte. Deutliche Rückgänge zeigen sich hingegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland sowie in großen Teilen von Rheinland-Pfalz. In einigen Landkreisen sinkt die Beschäftigung dort bis 2035 um mehr als 15 Prozent. Strukturschwächen, Überalterung und ein begrenztes Fachkräfteangebot verstärken den Anpassungsdruck.

Industrie verliert, Dienstleistungen gewinnen

Klare Verschiebungen zeigen sich auch zwischen den Branchen. Besonders deutlich ist der Rückgang in der Industrie. Sowohl ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft als auch die absolute Beschäftigtenzahl sinken - getrieben durch technologischen Wandel, Dekarbonisierung und internationalen Wettbewerbsdruck. Auch die Landwirtschaft verliert Beschäftigung, mit stärkeren Rückgängen in Ostdeutschland und stabileren Entwicklungen im Nordwesten und in Teilen von Rheinland-Pfalz. Der Handel verliert ebenfalls an Bedeutung, da digitale Geschäftsmodelle und Automatisierung zunehmen.

Deutlich wachsen dagegen Gesundheits- und Sozialdienstleistungen, getrieben durch die Alterung der Gesellschaft, sowie wirtschaftsnahe Dienstleistungen. Besonders stark legen die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie die wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen zu. Insgesamt verschiebt sich die Branchenstruktur weiter in Richtung Dienstleistungen - regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.

"Wachstumsbranchen wie IKT, wissensintensive Dienstleistungen oder Gesundheit brauchen zudem ausreichend qualifizierte Fachkräfte", so Marija Kolak,"Fachkräftesicherung ist damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für regionale Entwicklung."Neben der Aktivierung inländischer Potenziale zählt qualifizierte Zuwanderung. Anerkennungs- und Visaverfahren sollten schneller, digitaler und verlässlicher werden. BVR-Präsidentin Kolak:"Die Studie zeigt auch: Es braucht dringend wieder eine Wirtschaftspolitik, die Wachstumskräfte freisetzt, damit die Regionen nicht ökonomisch abgehängt werden."

Zur Studie - Datenset steht zur Verfügung

Die Branchenprognose ist Teil der Studienreihe"Regionen 2035", in der der BVR gemeinsam mit dem IW Consult regionale Entwicklungen in Deutschland analysiert. Basis sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in 19 Wirtschaftszweigen auf Kreisebene. Die Studie modelliert mögliche Entwicklungspfade bis 2035 unter Berücksichtigung regionaler Ausgangsbedingungen und der vier Megatrends Digitalisierung, Demografie, Dekarbonisierung und Deglobalisierung. Die Ergebnisse dienen als Orientierung über wahrscheinliche Strukturtendenzen, nicht als punktgenaue Vorhersage.

Der aktuelle Teil der BVR-Studie"Branchen 2035"ist wie die bereits veröffentlichten zu"Wohnimmobilien 2035"und"Demografie 2035"auf der Internetseite www.bvr.de unter Publikationen, Volkswirtschaft abrufbar.

Das vollständige Datenset erhalten Journalistinnen und Journalisten auf Anfrage unter presse(at)bvr.de.

Pressekontakt:

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
Melanie Schmergal, Abteilungsleiterin Kommunikation und
Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecherin
Telefon: (030) 20 21-13 00, presse(at)bvr.de, www.bvr.de


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