Fossile Baustelle Wärmenetze: Klimaschutz sichern, Ressourcen schützen / BUND-Studie benennt politische Leitplanken für den nachhaltigen Umbau

(ots) -
- Massiver Handlungsdruck: Fast drei Viertel der Wärme in Wärmenetzen noch fossil erzeugt
- Konsequente, ressourcenschonende Umstellung auf Erneuerbare und Energieeinsparungen erforderlich
- Studie verdeutlicht Dringlichkeit und benennt politisch notwendige Leitplanken
Klimafreundliches, bezahlbares und krisensicheres Heizen gelingt nur mit einer verlässlichen Abkehr von Gas und Öl und dem zügigen Umstieg auf erneuerbare Wärmequellen. Das gilt auch für die rund 3.800 Wärmenetze in Deutschland. Wie der Umbau gelingen kann, zeigt die vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute vorgestellte Studie"Dekarbonisierung von Wärmenetzen - Politische Leitplanken für eine erfolgreiche Transformation".
Im Auftrag des BUND hat das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) untersucht, welche Rolle Wärmenetze in der klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2045 spielen und welche Anpassungen in der Förderung und bei Gesetzen der ökologisch tragfähige Aus- und Umbau der Wärmenetze braucht. Das zentrale Ergebnis der Studie: Zwar werden die allermeisten Gebäude auch zukünftig individuell beheizt werden. Einschlägige Energieszenarien gehen aber davon aus, dass die Bedeutung von Wärmenetzen in der Wärmeversorgung stark zunimmt. Und der Handlungsdruck ist massiv: Fast drei Viertel der Wärme in Wärmenetzen wird fossil erzeugt.
Tina Löffelsend, Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND:"Fossile Energie hat keinen Platz in der Wärmeversorgung der Zukunft. Damit das Heizen über Wärmenetze klimaneutral und krisensicher wird, muss jetzt in den Kommunen der Turbo beim Umstieg auf erneuerbare Energien eingelegt werden. Für diese zentrale Aufgabe braucht es bundespolitischen Rückenwind und Planungssicherheit."
Dazu zählt aus Sicht des BUND, die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze gesetzlich abzusichern und auf mindestens 3,5 Milliarden Euro aufzustocken. Gleichzeitig muss die Elektrifizierung erleichtert werden. Zentral ist dafür die Reduktion der Stromsteuer.
Klimaschutz sichern, Ressourcen schützen
In der Studie wurden sechs Szenarien aus drei einschlägigen Studien zur klimaneutralen Energieversorgung bis 2045 in Hinblick auf den Anteil der Versorgung über Wärmenetze und die Zusammensetzung der Energiequellen näher untersucht.
Irmela Benz Colaço, Leiterin Wohn- und Gebäudepolitik:"Die Wissenschaft ist sich einig: Der Großteil der Energie in Wärmenetzen soll zukünftig über Großwärmepumpen, Geo- und Solarthermie bereitgestellt werden. Außerdem setzen alle Szenarien darauf, dass der Energieverbrauch bis 2045 deutlich sinkt. Energiequellen, die nur eingeschränkt nachhaltig verfügbar sind, wieWasserstoff, Biomethan, Holz und Abwärme, sollen eine Nebenrolle spielen."
Die BUND-Studie zeigt mit Blick auf bereits veröffentlichte Wärmepläne aber auch, dass lokal teils stark auf solche Quellen gesetzt werden soll. Zwar sind die Ausgangsbedingungen in Kommunen sehr unterschiedlich und die lokalen Pläne müssen vor diesem Hintergrund individuell bewertet werden. Der BUND warnt jedoch: Es besteht ein massives Risiko für teure und ökologisch nicht tragfähige Fehlinvestitionen vor Ort.
Benz Colaço:"Der nachhaltige Umbau der Wärmenetze muss dem Klimaschutz verpflichtet sein und Ressourcen schützen. Das Verbrennen von Holz ist nicht klimaneutral und verschlechtert den ohnehin kritischen Zustand der Wälder. Wird der Einsatz und die Herstellung von Biomethan nicht strikt reguliert, drohen zunehmender Flächenfraß, Artensterben und die Zerstörung wertvoller Böden. Abwärme aus der Müllverbrennung, der Industrie und Rechenzentren, sollte nicht ungenutzt verpuffen. Sie darf jedoch auch nicht zum Feigenblatt für weitere Energie- und Ressourcenverschwendung werden."
Der BUND fordert die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass die Verbrennung wertvoller Ressourcen auf ein Minimum begrenzt wird. Gesetzliche Obergrenzen, strenge Nachhaltigkeitskriterien sowie eine Verpflichtung, den Einsatz konfliktträchtiger Quellen umfassend zu begründen, sind hierzu erste notwendige Schritte.
Die Kernpunkte der Studie imÜberblick:
- Ausgangslage: Große Wärmenetze versorgen ganze Stadtgebiete mit zentral erzeugter Wärme, die private Heizung im Gebäude entfällt. Schon jetzt werden 15,4 Prozent der Wohnungen über Wärmenetze beheizt. Die Wärme wird dabei größtenteils fossil über Erdgas, Kohle und Öl erzeugt. Um bis 2045 klimaneutral zu werden, müssen alle insgesamt ca. 3800 Wärmenetze laut Wärmeplanungsgesetz vollständig mit Wärme aus erneuerbarer Energie oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden.
- Methodik: Die Studie analysiert Zielszenarien, gleicht sie mit Entwicklungen ab, die aus Auswertungen lokaler Wärmepläne ablesbar sind und zeigt Leerstellen im politischen Rahmen auf. Daraus werden politische Handlungsempfehlungen für eine ökologisch tragfähigen Umbau der Wärmenetze auf erneuerbare Energien abgeleitet.
- Ausbau und Dekarbonisierung von Wärmenetzen: Alle im Kurzgutachten untersuchten Szenarien zum Erreichen der Klimaneutralität zeigen, dass die Rolle von Wärmenetzen in Zukunft zunimmt und ein massiver Ausbau erforderlich ist. Der Anteil soll von heute 11 auf 17 bis 31 Prozent der Wärmeversorgung steigen. Gleichzeitig setzen Wärmenetze trotz erster Fortschritte bei der Dekarbonisierung noch zu ca. 71 Prozent auf klimaschädliche Verbrennung fossiler Energieträger wie Erdgas, Kohle und Öl, sowie fossiler Abfälle. Nur etwa zwei Prozent entfallen auf die Nutzung von Wärmepumpen, Solarthermie und Geothermie, die zukünftig den Großteil der Energie in Wärmenetzen bereitstellen sollen. Damit wird die enorme Aufgabe deutlich, die Kommunen in den nächsten 19 Jahren bewältigen müssen.
- Wärmepläne der Kommunen: Auswertungen von kommunalen Wärmeplänen deuten darauf hin, dass die lokalen Planungen in der Summe erheblich von den klimaneutralen Zukunftsszenarien abweichen könnten. Die Kommunen setzen im Schnitt weniger auf Umweltwärme und mehr auf Biomasse und Müllverbrennung. Hier besteht offensichtlich ein Nachsteuerungsbedarf, um die Überplanung knapper Ressourcen zu verhindern.
- Notwendige Leitplanken für den nachhaltigen Umbau: Ziel der Vorschläge ist es, lokalen Unterschieden Rechnung zu tragen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die bundespolitische Steuerung verbessert wird. So soll das Einhalten von Klimazielen und der Schutz wertvoller Ressourcen beim Umbau der Wärmenetze auferneuerbare Energien sichergestellt werden.
Mehr Informationen:
- BUND-Studie (https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/studie-dekarbonisierung-von-waermenetzen/): Dekarbonisierung von Wärmenetzen - Politische Leitplanken für eine erfolgreiche Transformation
- BUND Fachpapier (https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/energiewende/Fachpapier-Waermenetze-BUND.pdf)Wärmenetze: Tempo beim Klimaschutz - Naturverträglich und Ressourcenschonend
- BUND zur kommunalen Wärmewende (https://www.bund.net/energiewende/waermewende/kommunale-waermeplanung/)
- Kontakt: Irmela Benz Colaço, Leiterin Wohn- und Gebäudepolitik, Mobil: +49 177 4254487, E-Mail: irmela.colaco(at)bund.net; Tina Löffelsend,Abteilungsleiterin Klimaschutz beim BUND, Mobil: +49 176 20067099, E-Mail: tina.loeffelsend(at)bund.ne (https://www.bund.net/service/presse/pressemitteilungen/detail/news/einigung-zur-kraftwerksstrategie-leerstelle-klimaschutz/)t
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