47. ISF-Tagung thematisiert technologische Herausforderungen für die Zukunft der Schifffahrt
Für das Ziel einer klimaneutralen Schifffahrt setzt die maritime Wirtschaft auf neue Treibstoffe, Motorenkonzepte und-modifikationen. Doch dies führt zu neuen technologischen Herausforderungen. Das ist auf der 47. Informationstagung zur Schiffsbetriebsforschung (ISF-Tagung) des Maritimes Zentrums der Hochschule Flensburg mit rund 100 Teilnehmenden deutlich geworden. Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) war auch dieses Mal wieder Mitorganisator.
(IINews) - Für das Ziel einer klimaneutralen Schifffahrt setzt die maritime Wirtschaft auf neue Treibstoffe, Motorenkonzepte und-modifikationen. Doch dies führt zu neuen technologischen Herausforderungen. Das ist auf der 47. Informationstagung zur Schiffsbetriebsforschung (ISF-Tagung) des Maritimes Zentrums der Hochschule Flensburg mit rund 100 Teilnehmenden deutlich geworden. Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) war auch dieses Mal wieder Mitorganisator.
Spätestens 2050 soll die Handelsschifffahrt klimaneutral unterwegs sein. Technische Anpassungen von Verbrennungsmotoren für unterschiedliche alternative Kraftstoffe ohne oder nur mit geringen fossilen Anteilen, elektrische Antriebe in Verbindung mit Brennstoffzellen oder Akkumulatoren-Batterien– die Bandbreite neuer Konzepte und Technologien ist groß. „Genauso groß ist die Bereitschaft der maritimen Industrie, ihren Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen zu leisten“, sagt Prof. Dr. Michael Thiemke, Professor am Fachbereich Maschinenbau, Verfahrenstechnikund Maritime Technologien der Hochschule Flensburg. Neben dem aktuellen Stand in Forschung und Entwicklung wurde auf der von Thiemke geleiteten 47. ISF-Tagung in Flensburg vor allem sichtbar: Ein Umstieg auf CO2-ärmere Antriebskonzepte in der Schifffahrt wird von zahlreichen Herausforderungen undneuen Aufgabenstellungen in anderen Bereichen begleitet sein.
„Wir brauchen riesige Mengen an Wasser und erhalten Unmengen von Salzlauge“
Mit Hilfe erneuerbarer Energien hergestellter„grüner“ Wasserstoff gilt als wichtige Basis für klimaneutrale Treibstoffe. Wegen seiner geringen Energiedichte ist „H2“ in reiner Form allerdings kaum für den Schiffsantrieb geeignet. Aber auch auf Wasserstoff basierende synthetische Kraftstoffe seien kein Allheilmittel, zeigte Dr. Dana Meißner am Beispiel von Ammoniak auf. Technisch sei es zwar möglich, die schwer entzündliche Wasserstoff-Stickstoff-Verbindung als Treibstoff in Verbrennungsmotoren zu nutzen, erläuterte die Leiterin des Bereiches Forschung und Entwicklung am Institut für Sicherheitstechnik / Schiffssicherheit in Rostock. Die Produktion des dafür benötigten grünen Wasserstoffs sei aber von enormen Herausforderungen geprägt. Unter anderem wird für die Elektrolyse entsalztes und entmineralisiertes Wasser benötigt: „Wir brauchen riesige Mengen an hochreinemWasser und erhalten Unmengen von Salzlauge, die wir irgendwo dauerhaft lagern müssen“, betonte Meißner.
Auch in der Praxis an Bord entstehen rund um den Einsatz alternativer Kraftstoffe Herausforderungen und technologische Bedarfe. Der Einsatz von verflüssigtem Erdgas (LNG) kann zu Konflikten mit der in wenigen Jahren geltenden Landstrompflicht führen. Wenn auf -162°C gekühltes LNG gelagert wird, verdunstet ein Teil als sogenanntes „Boil-off-Gas“. Der gasförmige Verlust ist erheblich, dazu hochgradig klimaschädlich undwird derzeit während der Hafenzeit für die Stromerzeugung durch Generatoren an Bord genutzt. Ohne Ausnahmen von der kommenden Landstrompflicht müssten LNG-betriebene Schiffe Kühlanlagen für die Rückgewinnung oder zusätzliche Tanks bekommen. Technisch sei das möglich, erläuterte Dieter Hilmes, Sales- und Marketing-Direktor des Ingenieurdienstleisters TGE Marine: „Bei der Nachrüstung geht aber Ladungsraum verloren.“
Belgische Unternehmensgruppe verfügt über eigenes Werk für Wasserstoff und Ammoniak
Dass sich die Schifffahrtsbranche trotz solcher Herausforderungen für den Klimaschutz engagiert, zeigt das Beispiel der CMB.Tech-Gruppe. Das belgische Unternehmen ist auf dem Weg, seine Flotte von rund 250 Schiffen auf kohlenstoffarme oder sogar -freie Kraftstoffe umzustellen. Um jederzeit über die dafür notwendige Menge an Wasserstoff als Grundstoff zu verfügen, lässt die Gruppe in einem eigenen Werk in Namibia mit Hilfe von Photovoltaik Wasserstoff und Ammoniak produzieren. Mit dem von der Flensburger FRS-Gruppe bereederten „Hydrocat 55“ betreibt CMB in Sassnitz seit 2023 ein mit Wasserstoff betriebenes Serviceschiff für die Versorgung von Ostsee-Windparks.
„Wir brauchen die Unterstützung der Politik“
Auch die Motorenhersteller haben sich umfassend auf die neuen Anforderungen für den Klimaschutz vorbereitet. Auf der 47. ISF-Tagung präsentierte Tobias Stübbe, Entwicklungsingenieur des Marktführers Everllence B&GW den Stand der Entwicklung im Bereich von 2-Takt-Dual-Fuel-Großmotoren für die Schifffahrt. Demnach ist es längst möglich, auch bestehende Antriebssysteme im Retrofit auf die Verwendung von E-Fuels umzurüsten. Stübbe betrachtet insbesondere Methanol und Ethanol als Treibstoffe der Zukunft in der Schifffahrt. Allerdings: „Die Alternativensind teurer als Diesel“, betonte Stübbe, „wir brauchen die Unterstützung der Politik.“
Die ISF-Tagung gehört zu den größten und langjährigsten Fachveranstaltungen rund um Themen aus der Schiffsbetriebstechnik. Auch dieses Mal war die Veranstaltung geprägt von Fachvorträgen mit viel Neuheitsgehalt, der Vorstellung von Forschungsprojekten der Hochschule Flensburg, einer Fachausstellungvon Unternehmen sowie hervorragenden Netzwerkmöglichkeiten für die Teilnehmenden. Für ihren Leiter Prof. Dr. Michael Thiemke war die Tagung nicht nur wegen des hochkarätigen Informationsaustauschs bemerkenswert: „Hier ist auch sehr deutlich geworden, wie vielseitig, spannend und zukunftsweisend ein Studium der Schiffsbetriebstechnik an unserer Hochschule hier in Flensburg ist.“
„Knapp 100 Fachleute können sich nicht irren“, war das Resümee von Peter Moller, Geschäftsstellenleiter des MCN in Schleswig-Holstein. „Die durchwegs positive Resonanz aller Teilnehmenden freut uns sehr und zeigt, dass die Themen und Inhalte absolut richtig gesetzt sind.“
Themen in diesem Fachartikel:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Das Maritime Cluster Norddeutschland (MCN) ist das Netzwerk der maritimen Branche in Norddeutschland. Mitüber 350 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik fördert das MCN den Austausch, die Zusammenarbeit und Innovation innerhalb der Branche sowie an Schnittstellen zu anderen Industrien. Durch Geschäftsstellen in Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das MCN regional präsent und bietet Akteur:innen vor Ort gezielte Unterstützung–von der Suche nach Innovationspartner:innenüber Informationen zu Förderprogrammen bis hin zur Vermittlung wertvoller Kontakte. Das MCN koordiniert Fachgruppen zu den Themen Maritime Informations- und Kommunikationstechnologien, Maritimes Recht, Maritime Sicherheit, Maritime Wirtschaft Offshore Wind, Personal und Qualifizierung, Schiffseffizienz sowie Unterwasserkommunikation. Gegründet im Jahr 2011 als länderübergreifendes Cluster der Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, kamen 2014 Bremen und Mecklenburg-Vorpommern hinzu. Seit 2017 agiert das MCN als eingetragener Verein.
Sandra Rudel, Leiterin Presse- undÖffentlichkeitsarbeit
+49 40 227019 498
sandra.rudel(at)maritimes-cluster.de
Maritimes Cluster Norddeutschland e. V.
Wexstraße 7, 20355 Hamburg
Datum: 08.06.2026 - 11:11 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2255830
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Sandra Rudel
Stadt:
Hamburg
Telefon: 040227019498
Kategorie:
Meldungsart: Erfolgsprojekt
Versandart: Veröffentlichung
Dieser Fachartikel wurde bisher 1 mal aufgerufen.
Der Fachartikel mit dem Titel:
"47. ISF-Tagung thematisiert technologische Herausforderungen für die Zukunft der Schifffahrt"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Maritimes Cluster Norddeutschland e. V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).



