Mietwagen mit versteckter Laufleistung landen auf dem freien Markt

(IINews) -
Was bei Mietwagenflotten passiert, und das ist der Teil den die meisten Händler nicht kennen oder nicht kennen wollen, ist dass die Fahrzeuge intern über ein Flottenmanagement-System verwaltet werden. Dieses System dokumentiert die Laufleistung, die Wartung, die Schadensmeldungen,den Zustand bei Rückgabe nach jeder Miete, alles. Wenn das Fahrzeug aus der Flotte genommen und an eine Remarketing-Firma oder direkt an eine Auktion gegeben wird, gehen diese internen Daten nicht mit.Der Auktionskäuferbekommt das Fahrzeug mit dem Kilometerstand der im Tacho steht, mit dem Fahrzeugbrief und, wenn er Glück hat, mit einem Serviceheft. Was das Flottenmanagement intern dokumentiert hat, sieht er nicht, weil das Betriebsinterna sind die nicht zum Fahrzeug gehören sondern zum Fuhrpark. Albrecht Wenninger, der in Stuttgart eine Firma betreibt die Fuhrparks für mittelständische Unternehmen verwaltet, hat mir das so erklärt, es sei wie wenn du den Lebenslauf eines Mitarbeiters nicht mitbekommst wenn er die Firma wechselt, du weißt wiealt er ist und was er zuletzt gemacht hat, den Rest musst du dir zusammenreimen.
Das Problem ist nicht dass Mietwagenflotten systematisch Tachos zurückdrehen. Das passiert auch, sagt Wenninger, er hat davon gehört,und es gibt Remarketing-Firmen diein einem bestimmten Ruf stehen, namentlich will er die nicht nennen, er macht mit einigen davon Geschäfte und will sich das nicht kaputt machen. Das eigentliche Problem ist subtiler und hat mit Manipulation im engeren Sinne gar nichts zu tun. Ein Fahrzeug das 18 Monate in einer Flotte war und in dieser Zeit 80000 Kilometer gefahren wurde, bekommt bei der Abgabe vielleicht einen neuen Satz Reifenund eine Aufbereitung. Der Kilometerstand stimmt, 80000 stehen da, nur weiß der Käufer nicht dass diese 80000 Mietwagenkilometer sind,gefahren von hundert verschiedenen Leuten, die meisten davon mit dem Komfort eines Leihwagens der einem nicht gehört, das heißt Kaltstarts ohne Warmlaufphase, Bordsteine, Tiefgaragenrampen, Kurzstrecken zum Flughafen und wieder zurück. Die Belastung pro Kilometer ist eine andere als bei einem Privatfahrzeug das von einer Person gefahren wird die das Auto kennt und halbwegs pfleglich behandelt.

Wenninger hat mir eine Rechnung gemacht, wieder so eine Kugelschreiberrechnung. Ein Privatfahrzeug mit 80000 Kilometern in drei Jahren,das hat ungefähr 3000 Kaltstarts hinter sich, wenn der Besitzer jeden Tag zur Arbeit fährt und zurück. Dasselbe Fahrzeug als Mietwagen in 18 Monaten, das hat vielleicht 8000 oder 9000 Kaltstarts, weil jede Miete mit einem Kaltstart anfängt, manchmal mehrmals am Tag, und weil Mietwagen an Flughäfen und Bahnhöfen stehen wo sie stundenlang auskühlen. Jeder Kaltstart ist Motorverschleiß, in den ersten Sekunden nach dem Anlassen ist der Ölfilm noch nicht aufgebaut, Metall läuft auf Metall, das summiert sich über tausende Starts auf eine Weise die kein Tacho erfasst. Ein Mietwagenmit 80000 Kilometern kann in Bezugauf den Motorverschleiß einem Privatfahrzeug mit 120000 oder 130000 entsprechen, hat Wenninger geschätzt, und das ganz ohne dass irgendjemand den Tachostand angefasst hat. Die Zahl stimmt, die Belastung dahinter ist eine andere.
Die Fahrzeuge gehen dannüberAuktionen in den freien Handel. Manche Auktionshäuser kennzeichnen den Flottenursprung, manche nicht, und selbst wenn der Ersthalter als Vermietungsgesellschaft im Brief steht, weiß der Käufer nicht welche Art von Nutzung dahintersteckt. Kurzzeitmietwagen am Flughafen, wo das Auto morgens kalt gestartet wird, zum Hotel gefahren, dort denganzen Tag steht und abends kalt wieder zurückgefahren wird, ist ein völlig anderes Verschleißprofil als Langzeitmiete an einen Außendienstler der damit 50000 Kilometer Autobahn im Jahr fährt und den Motor auf Betriebstemperatur hält. Wer vor dem Kauf perHalterabfragedie Fahrzeughistorie prüft, sieht zumindest den Halterverlauf, und wenn der Ersthalter eine bekannte Vermietungsgesellschaft ist, weiß man wenigstens worauf man sich einlässt. Wasman aus den Daten nicht ablesen kannist ob das Fahrzeug dreihundert verschiedene Fahrer hatte oder drei, und ob esüberwiegend Kurzstrecke oder Langstrecke gelaufen ist, das bleibt in den internen Systemen des Flottenmanagements.
Der Händler aus Freiburg hat das Fahrzeug schließlich verkauft,mit dem Hinweis auf den Flottenursprungund einem entsprechenden Abschlag. Er sagt, er kaufe seitdem keine ehemaligen Mietwagen mehr auf Auktionen, jedenfalls keine die weniger als 24 Monate alt sind, weil bei denen die Diskrepanz zwischen optischem Zustand und tatsächlicher Beanspruchung am größten sei. Sein Nachbar, der auch im Handel ist und mit dem er manchmal abends ein Bier trinkt, hat ihm gesagt er sei übervorsichtig. Mietwagen seien gut gewartet. Wenninger inStuttgart würde das anders sehen. Gut gewartet heißt die Ölwechsel stimmen, die Inspektionen stimmen. Was der Motor, das Getriebe und das Fahrwerk in der Zwischenzeit durchgemacht haben, darüber sagt das Serviceheft nichts, und die Flottensoftware die es wüsste gibt die Daten nicht raus.
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Datum: 05.06.2026 - 14:04 Uhr
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