WDR-Analyse: NRW-Pendler stehen pro Woche bis zu drei Stunden im Stau

(ots) - NRW steht im Stau - jeden Tag. Zwei Drittel aller bundesweiten Autobahnbaustellen und rund ein Drittel aller Staus liegen in Nordrhein-Westfalen. Eine Analyse des WDR-Datenteams zeigt jetzt, wie stark Pendlerinnen und Pendler davon im Alltag betroffen sind. Auf den 20 wichtigsten Pendlerstrecken des Landes verlieren Autofahrer im Berufsverkehr durchschnittlich 1 Stunde und 51 Minuten pro Woche durch Staus und Baustellen. Besonders betroffen ist die Strecke zwischen Köln und Bonn: Dort summiert sich der Zeitverlust auf mehr als drei Stunden pro Woche. Hochgerechnet sind das fast sechs Tage im Jahr.
Grundlage der Analyse sind GPS-Daten des Navigationsanbieters TomTom, die dem WDR exklusiv vorliegen. Untersucht wurden die größten Pendlerachsen rund um Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet. Der Großteil der Pendler ist mit dem Auto unterwegs - und steht dabei häufig im Stau.
Je nach Strecke sind die Unterschiede erheblich. Während die Pendler zwischen Köln und Bonn mit Abstand die meiste Zeit verlieren, kommen Autofahrer zwischen Bochum und Dortmund vergleichsweise gut voran. Dort summiert sich der Zeitverlust im Berufsverkehr auf rund 41 Minuten pro Woche. Zwischen Essen und Düsseldorf dagegen verlieren Pendler mehr als zwei Stunden. Die A52 zählt seit Jahren zu den staureichsten Autobahnen Deutschlands und erreichte zuletzt auch in der ADAC-Staubilanz einen Spitzenplatz bei den Staustunden pro Autobahnkilometer.
Die Analyse zeigt außerdem: Besonders stark ausgebremst werden häufig kurze Einpendelstrecken in die Ballungsräume. Ein Beispiel ist die Verbindung von Frechen nach Köln. Die Strecke ist deutlich kürzer als die Pendelroute zwischen Bonn und Köln. Trotzdem brauchen Autofahrer dort im Berufsverkehr im Schnitt 82 Prozent länger als bei freier Fahrt - so viel wie auf keiner der 20 untersuchten Strecken. Der dichte Verkehr Richtung Innenstadt führt teilweise sogar dazu, dass Navigationssysteme längere Umwege über die Autobahn empfehlen.
Schaut man auf die interaktive Baustellenkarte der Autobahn GmbH, gleicht sie vielerorts einem Wimmelbild: Kaum ein längerer Autobahnabschnitt kommt derzeit ohne Baustelle aus. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie gut sich die verschiedenen Akteure - Bahn, Autobahn GmbH, Land und Kommunen - tatsächlich abstimmen. Für genau diese Koordination gibt es mit dem sogenannten Traffic Information Center (TIC)eigentlich längst ein digitales Meldesystem. Baustellen und Sperrungen sollen dort zentral erfasst und auf Konflikte geprüft werden. In der Praxis beteiligen sich bislang aber nicht alle Akteure daran. NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer sagt dem WDR:"Bisher beteiligen sich nur etwa 25 Prozent der Kommunen an unserem digitalen Baustellentool."Ab dem kommenden Jahr soll die Nutzung des Meldesystems verpflichtend werden.
Fehlende Kommunikation könne man allerdings nicht nur den Kommunen vorwerfen, sagt der Verkehrs- und Stauforscher Michael Schreckenberg. Bei Bauarbeiten gebe es eine klare Hierarchie."Ganz oben steht die Bahn", so Schreckenberg."Die Bahn kündigt ihre Projekte einfach nur an, eine Abstimmung ist da kaum möglich."Verkehrsminister Krischer verweist hier auf den enormen Sanierungsdruck im Land:"Viele Baustellen müssen schnell passieren und dulden keine Verzögerung. Dann entstehen natürlich heftige Überlagerungseffekte."
Kritik gibt es auch an der Organisation mancher Straßenbaustellen. Krischer räumt ein:"Es gibt Baustellen, wo die Bauunternehmer nicht gezwungen sind, schnell zu arbeiten, weil einfach nur nach dem Preis ausgeschrieben worden ist."ADAC-Verkehrsexperte Roman Suthold sieht vor allem Defizite bei der Abstimmung der Beteiligten:"Es hakt eigentlich an der Kommunikation. 50 Prozent der Probleme entstehen aus meiner Sicht deshalb."Gleichzeitig erwartet er keine schnelle Entlastung für Pendlerinnen und Pendler:"Ich habe leider die Befürchtung, dass die nächsten 10 bis 15 Jahre der Zustand nicht besser wird, weil wir einen Rieseninvestitionsstau vor uns hergeschoben haben, der jetzt abgearbeitet werden muss - und das spüren wir auf der Straße."
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