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Streiten wir noch oder hassen wir schon? Haben wir das demokratische Streiten verlernt?

ID: 2250947

(ots) - SWR Demokratieforum auf der re:publica in Berlin am 18. Mai mit Michel Friedman und Gästen / Mitschnitt ab 24. Mai 2026 um 9:45 Uhr im SWR, in der ARD Mediathek und ARD Sounds

Wie steht es um die demokratische Streitkultur? Geht es darum, Lösungen zu finden oder stehen sich unversöhnliche Lager gegenüber? SWR Moderator Michel Friedman diskutiert zum Thema"Streiten wir noch oder hassen wir schon? Haben wir das demokratische Streiten verlernt?"mit Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, Prof. Dr. Alena Buyx, Medizinethikerin und Markus Blume (CSU), Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, am 18. Mai auf der re:publica in Berlin. Das Gespräch wird am Sonntag, 24. Mai 2026, um 9:45 Uhr im SWR ausgestrahlt und ist in der ARD Mediathek abrufbar. Auf dem SWR Youtube Kanal werden die Höhepunkte veröffentlicht. Zum Hören ist die Diskussion in SWR Aktuell Radio und hr INFO sowie als Podcast in ARD Sounds.

Lautstärke übertrumpft Inhalt

"Inhaltslosigkeit wird verdeckt durch Lautstärke", sagt Michel Friedman. Wir erleben täglich - im Bundestag wie am Stammtisch -, dass Debatten aggressiver werden: Es wird mehr behauptet als begründet, mehr provoziert als argumentiert. Strategien wie"Flood the zone with shit"von Donald Trumps Ex-Berater Steve Bannon zeigen Wirkung. Lautstärke ersetzt Struktur, Empörung verdrängt Argumente.

Digitale Debattenkultur als Brandbeschleuniger

Dabei ist Streit kein Betriebsunfall der Demokratie, sondern ihr Motor. Er ist Ausdruck politischer Freiheit - und zugleich eine Zumutung. Demokratie verlangt, Gegensätze auszuhalten, ohne sie zu vernichten. Doch genau diese Fähigkeit gerät unter Druck. Eine zentrale Rolle spielt dabei die digitale Debattenkultur: Soziale Medien belohnen Zuspitzung, Emotionalisierung und Eskalation. Algorithmen verstärken Konflikte, verkürzen Argumente und begünstigen Freund-Feind-Logiken. Digitale Öffentlichkeit wird so zum Resonanzraum für Empörung statt zum Ort der Auseinandersetzung.





Gilt bald wieder nur die Macht des Stärkeren?

Die Ethikprofessorin Alena Buyx beschreibt das Problem jenseits der Wissenschaft sehr grundsätzlich:"Fakten allein reichen oft nicht mehr aus, um zuüberzeugen."Wer Menschen erreichen wolle, müsse auch die emotionale und relationale Ebene ernst nehmen. Doch das sei kein Freibrief für Manipulation, sondern eine ethische Herausforderung: Wie streitet man so, dass der andere nicht entmenschlicht wird - und Wahrheit dennoch nicht relativiert wird? Diese Frage verschärft sich in deraktuellen Zeitenwende durch den Blick nach außen: Wir erleben eine Weltordnung im Umbruch, in der nicht mehr zivilisiert gestritten, sondern Macht demonstriert wird. Völkerrecht verliert an Verbindlichkeit, Dialog an Bedeutung. Das Recht des Stärkeren kehrt zurück.

Demokratische Streitkultur unter Druck

Was macht es mit der Streitkultur einer Demokratie, wenn globale Machtpolitik, digitale Empörungslogiken und postfaktische Erregung zusammenwirken? Welche Diskussionshaltungen importieren wir - oft unbewusst - in die eigene politische Auseinandersetzung? Dazu kommt ein postfaktisches Klima, in dem Gefühle mehr zählen als Fakten. Streit kippt in persönliche Abwertung, es bildensich feindliche Lager. Die zentrale Frage lautet nicht mehr: Was ist richtig? - sondern: Wer gehört zu welchem Lager? Alena Buyx warnt: Wenn Streit nur noch Mittel ist, die eigenen Position durchzusetzen, verliert er seinen demokratischen Kern. Dann wird nicht mehr um Lösungen und Kompromissegerungen, sondern um Dominanz - online wie offline.

Über die re:publica

Die re:publica Berlin ist das Festival für die digitale Gesellschaft und die größte Konferenz ihrer Art in Europa.

Über das SWR Demokratieforum

Das Demokratieforum ist ein Gesprächsformat des SWR, das sich mit Themen beschäftigt, die unsere Gesellschaft und unsere Demokratie herausfordern. Ein Streit- und Denkraum für Demokratie, bei dem Wissenschaftler:innen, Politiker:innen, Journalist:innen, Autor:innen und Vertreter:innen der Wirtschaft über aktuelle Probleme sprechen und über Konzepte und Ideen diskutieren. Das Gespräch mit drei Gästen bietet Zeit, gemeinsam Ideen zu entwickeln und nachzudenken - fernab von kurzen, plakativen Talkshow-Statements.

SWR Demokratieforum auf der re.publica:"Streiten wir noch oder hassen wir schon? - Haben wir das demokratische Streiten verlernt?"

Sonntag, 24. Mai 2026, 9:45 Uhr im SWR und in der ARD Mediathek (https://www.ardmediathek.de/sendung/demokratie-forum/Y3JpZDovL3N3ci5kZS8yNTA0MzYzMg). Auf dem SWR Youtube Kanal (https://www.youtube.com/(at)SWR) werden die Höhepunkte veröffentlicht. Zum Hören ist die Diskussion in SWR Aktuell Radio und hr INFO sowie als Podcast in ARD Sounds (https://www.ardsounds.de/suche/Demokratieforum/).

Infos auch hier: http://swr.li/demokratieforum-republica2026-streitkultur

Newsletter:"SWR vernetzt (https://www.swr.de/unternehmen/kommunikation/newsletter-anmeldung-swr-vernetzt-100.html)"

Pressekontakt: Claudia Lemcke, Tel. 06131 929 33293, claudia.lemcke(at)SWR.de


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Datum: 13.05.2026 - 09:00 Uhr
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