Klimaforscher Höhne:"Wir müssen vorangehen und mehr tun"

(ots) - Der Klimaforscher Niklas Höhne fordert die Bundesregierung im WDR auf, beim Klimaschutz voranzugehen und mehr zu tun. Höhne, Mitgründer des NewClimate Instituts, sagte dem WDR5 Morgenecho im Kontext des Petersberg Klimadialogs, Klimaschutz habe es ein bisschen schwer gerade. In Deutschland lägen Vorschläge aufdem Tisch, das Verbrenner-Aus oder das Gebäudeenergiegesetz zu kippen. Dabei müsste genau das Gegenteil passieren, so Höhne.
Im Folgenden einige Zitatpassagen aus dem Gespräch:
(...) In der Tat, Klimaschutz hat es ein bisschen schwer gerade. Aber die Energiekrise, die wir jetzt gerade haben, die zeigt ja jetzt wirklich allen, dass es wirklich eine schlechte Idee ist, vollkommen abhängig zu sein vom Import von fossilen Energien.
(...) Bei der internationalen Klimadiplomatie hat sich ein neues Fenster aufgetan, dass in der Tat jetzt in Kolumbien im März erstmals eine Konferenz stattfinden wird, wo nur die dabei sind, die auch wirklich aussteigen wollen und alle anderen eben nicht. Also dass sich sozusagen eine Koalition derjenigen findet, die schneller vorangehen wollen. Und je nachdem, wie viel Druck dann dort entsteht und wie viele Länder da sind, kann das tatsächlich auch einige Kraft entfalten. Die EU ist dabei, aber auch Länder wie Kanada, Australien, aber sogar exportierende Länder wie Angola, Mexiko und Brasilien. Das sind jetzt nicht wenige. Das kann sicherlich zu etwas führen.
(...) Es gibt zwei gegenläufige Trends. Die eine ist eben unabhängig zu werden von fossilen Energien. Da muss man die erneuerbaren Energien ausbauen, so schnell wie möglich. (...) Ägypten hat gerade das Klimaschutzziel oder die erneuerbaren Ziele erhöht. Die EU-Kommission möchte nächste Woche mit einemVorschlag kommen, wie man das noch schneller machen kann. (...) Und auf der anderen Seite gibt es tatsächlich eben die öl-exportierenden Länder, diejenigen, die damit sehr, sehr viel Geld verdienen. Und die verdienen eben in dieser Krise noch mal mehr und haben eben dieses Geld, um jetzt weiter zu investieren. Also es lohnt sich bei diesen hohen Preisen jetzt auch Öl- und Gasfelder anzubohren, die sich vorher gar nicht gelohnt haben. Insofern gibt es beide Bewegungen und die Frage ist immer, welche gewinnt. (...) Die Erneuerbaren sind noch mal günstiger geworden und werden so wahnsinnig schnell ausgebaut, dass diesmal glaube ich dann die Erneuerbaren gewinnen werden. Aber was am Ende passiert, das müssen wir noch abwarten.
(...) Man merkt ja jetzt, dass der Druck hoch ist, vielleicht ein bisschen Klimaschutz weniger zu machen, weil die Wirtschaft schwächelt. Und mal ein bisschen zurückzudrehen und auch einen Tankrabatt zu machen, damit wir alles so machen können wie bisher. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir tun müssen. Wir müssen vorangehen und mehr tun. In Deutschland liegen ja viele Vorschläge auf dem Tisch, Verbrenner-Aus zu kippen oder das Gebäudeenergiegesetz zu kippen oder den erneuerbaren Ausbau ein bisschen langsamer zu machen. Das ist alles natürlich schlecht, weil uns das länger abhängig macht von fossilen Energien. Und da müsste eigentlich genau das Gegenteil passieren: eben schnellerrein in die erneuerbaren Energien, schneller Elektrifizierung, also Elektromobilität, öffentlicher Nahverkehr, Wärmepumpen und Strom in der Industrie. Das ist, was jetzt passieren muss und zwar sehr, sehr, sehr schnell.
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