Studie: Milliarden auf vergessenen Konten - viele Deutsche riskieren ungewollt, dass ihr Vermögen verloren geht

(ots) -
- Große Mehrheit von 86 Prozent möchte, dass vergessenes Bankvermögen in einen gemeinnützigen Fonds fließt.
- Deutschland ist der einzige G7-Staat ohne gesetzliche Regelung für nachrichtenloses Vermögen.
- 62 Prozent haben ihre eigenen Vermögenswerte nicht vollständig dokumentiert - und riskieren somit, dass ihr Geld eines Tages unauffindbar wird.
Auf deutschen Bankkonten schlummern Milliarden: Laut einem Gutachten des Bundesforschungsministeriums liegen bis zu 4,2 Milliarden Euro auf sogenannten nachrichtenlosen Konten - Guthaben, auf die seit Jahren niemand mehr zugegriffen hat und für die sich keine Berechtigten melden. Der Verband Deutscher Erbenermittler schätzt das Volumen sogar auf bis zu 9 Milliarden Euro. Nach rund 30 Jahren dürfen Banken diese Gelder als Gewinn verbuchen. Eine repräsentative Befragung im Auftrag der SOS-Kinderdörfer weltweit zeigt: Die große Mehrheit der Deutschen will das ändern.
Vergessenes Geld für den guten Zweck: 86 Prozent wollen Sozialfonds statt Bankengewinne
86 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass nachrichtenloses Vermögen nach einer angemessenen Frist in einen unabhängigen Sozialfonds fließen soll, der gemeinnützige Projekte fördert. Nur 2 Prozent finden, das Geld solle bei den Banken verbleiben, 8 Prozent präferieren eine Übertragung an den Staat. Der Konsens zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen: Ob jung oder alt, Stadt oder Land - die Zustimmung zum Sozialfonds liegt überall zwischen 80 und 92 Prozent. Besonders entschieden sind Frauen über 50 (92 Prozent).
Deutschland ist bislang der einzige G7-Staat, der den Umgang mit nachrichtenlosem Vermögen nicht gesetzlich geregelt hat. In Großbritannien etwa fließen Gelder von inaktiven Konten seit 2008 in einen Sozialfonds - bei lebenslanger Rückzahlungsgarantie für die Inhaber. Der aktuelle Koalitionsvertrag sieht eine ähnliche Regelung vor, ein entsprechendes Gesetz gibt esbisher jedoch nicht.
Die 62-Prozent-Lücke: So wird Vermögen nachrichtenlos
Die Deutschen haben zwar eine klare Meinung dazu, was mit vergessenen Geldern geschehen soll, doch zeigt die Studie zugleich: Die Mehrheit tut zu wenig dafür, dass ihr eigenes Vermögen nicht zum Problem wird. Nur 30 Prozent der Befragten haben ihre Konten, Depots und Schließfächer vollständig dokumentiert und mit Angehörigen oder Erben darüber gesprochen. 24 Prozent haben bisher gar nichts dokumentiert, weitere 24 Prozent nur teilweise. 14 Prozent haben zwar alles dokumentiert, aber nie mit ihren Erben darüber gesprochen.
Zusammengenommen haben somit 62 Prozent der Deutschen eine Dokumentationslücke - und schaffen damit genau die Bedingungen, unter denen Vermögen nachrichtenlos werden kann. Und das trifft nicht nur auf die jüngeren Generationen zu. Auch bei den über 65-Jährigen, für die diese Frage am drängendsten ist, hat nur knapp die Hälfte (48 Prozent) alles vollständig geregelt.
Petra Sorge-Booms, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit:"Milliarden Euro liegen auf Konten, die niemand mehr kennt - und jedes Jahr kommen neue dazu. Wer seine Vermögenswerte nicht dokumentiert und mit Angehörigen bespricht, riskiert, dass das eigene Ersparte unauffindbar wird. Wir setzen uns für ein zentrales Melderegister ein, das Erben den Zugang zu Vermögensansprüchen erleichtert - und für mehr Aufklärung, damit Vermögen nicht verloren geht, sondern Gutes bewirken kann."
Zur Studie: Im Auftrag der SOS-Kinderdörfer weltweit hat das Sozialforschungsinstitut forsa im Februar 2026 eine bundesweite Befragung zum Thema Vermögen und gemeinnütziges Vererben durchgeführt. Im Rahmen eines repräsentativen Panels wurden insgesamt 1.622 zufällig ausgewählte deutschsprachige Personen ab 18 Jahrenbefragt.
Ergebnistabellen und Infografiken finden Sie unter diesem LINK Medienmaterial (https://www.dropbox.com/scl/fo/3y443r963imaevyplydzp/ACO81RPEWJadbVhjeWJ06jc?rlkey=aciyeqehggre3t9kc6a80mbkk&st=3rgduw71&dl=0).
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Datum: 21.04.2026 - 07:49 Uhr
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