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Bischof Bertram Meier beendet Reise nach Sarajevo

ID: 2243427

(ots) - Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, Bischof Dr. Bertram Meier (Augsburg), hat heute (10. April 2026) seinen Besuch in der bosnisch-herzegowinischen Hauptstadt Sarajevo beendet. Neben Begegnungen mit katholischen Würdenträgern sowie mit Vertretern des Islam, der orthodoxen Kirche und der jüdischen Gemeinde hatte Bischof Meier auch die Gelegenheit zum Austausch mit Repräsentanten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie der internationalen Gemeinschaft. Im Fokus der Reise stand vor allem die Frage nach dem Dialog zwischen den Religionen in Bosnien und Herzegowina.

"Ich bin als Lernender nach Sarajevo gekommen. Wie leben die verschiedenen Gruppen gut 30 Jahre nach Kriegsende zusammen? Welchen Beitrag leistet die katholische Kirche zur Verständigung? Und wie blicken die Menschen hier auf die Zukunft ihres Landes? Das waren Fragen, die mich in den vergangenen vier Tagen beschäftigt haben. Trotz aller Schwierigkeiten haben meine Gesprächspartner betont: Der interreligiöse Dialog ist hier kein Gegenstand theoretischer Diskussionen, sondern eine gelebte Realität - und das seit Jahrhunderten. Ein weiteres Leitmotiv war: Bosnien und Herzegowina ist ein kleines Land mit großen Herausforderungen. Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschichte und den künftigen Weg des Landes. Aber gleichzeitig haben die Menschen ein starkes Bewusstsein dafür, dass der mühsam errungene Frieden nicht wieder leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden darf. Die Folgen des Krieges sind in Sarajevo nach wie vor deutlich zu spüren - sowohl äußerlich als auch innerlich. Und doch ist die Stadt wieder zu einem Ort derBegegnung geworden. Gerade weil der Dialog dem Frieden dient, ist er jede Anstrengung wert."

Mit Blick auf die Relevanz der Religionsgemeinschaften für den gesellschaftlichen Frieden stellte Bischof Meier fest:"Die Verfassung von Bosnien und Herzegowina spricht von drei konstitutiven Völkern: muslimischen Bosniaken, orthodoxen Serben und katholischen Kroaten. In einem Land, in dem sich die Volksgruppen in starkem Maße entlang religiöser Zugehörigkeit definieren, kommt der Verständigung zwischen den Religionen höchste Bedeutung zu."Dabei sei die Ausgangslage für den Dialog nicht immer einfach:"Die drei Gemeinschaften können zwar auf eine lange gemeinsame Geschichte zurückblicken und stehen sich auch in sprachlich-kultureller Hinsicht nahe. Doch vor allem der Bosnien-Krieg (1992-1995) hat zu Spaltung und Entfremdung geführt. Bei den Gesprächen mit Zeitzeugen ist mir deutlich geworden, wie präsent die fast vierjährige Belagerung von Sarajevo auch heute noch im Bewusstsein vieler Menschen ist. Es wurden Wunden geschlagen, deren Narben nach wie vor sichtbar sind. Und es fällt weiterhin schwer, das Leid des jeweils Anderen anzuerkennen und auf gemeinsame Sichtweisen hinzuarbeiten."





Die Religionsgemeinschaften haben nach dem Krieg einen Interreligiösen Rat gegründet, um ihre Verantwortung für den Frieden wahrzunehmen und Grundlagen für Versöhnung zu schaffen. Im Gespräch mit dem Exekutivausschuss konnte Bischof Meier einen Einblick in die Arbeit des Interreligiösen Rates erhalten, die nicht nur auf der nationalen Ebene, sondern auch in 19 regionalen Räten geleistet wird. Des Weiteren kam es zu interreligiösen Begegnungen mit dem wichtigsten muslimischen Repräsentanten des Landes, Großmufti Reisul-ulema Husein Kavazovic, mit Vertretern der Fakultät für Islamische Studien der Universität Sarajevo sowie mit der Jüdischen Gemeinde. Bischof Meier resümierte:"Die Verantwortungsträger der Religionsgemeinschaften haben allesamt betont: Um Versöhnung zu erreichen, braucht es Vertrauen. Dieses entwickelt sich nicht von heute auf morgen, sondern wächst in langjährigen Prozessen. Wertschätzende Dialogbegegnungen und praktische Erfahrungen im gemeinsamen Handeln gehören dazu."Als gutes Beispiel kann dabei das Interreligiöse Studienprogramm gelten, das seit fast zehn Jahren in gemeinsamer Trägerschaft der islamischen, katholischen und orthodoxen Fakultäten für Theologie durchgeführt wird."Auf diese Weise bekommen junge Theologinnen und Theologen die Möglichkeit, andere religiöse Traditionen aus erster Hand kennenzulernen und das Friedenspotenzial von Religion zu reflektieren. Solche Initiativen sind Samen der Hoffnung", so Bischof Meier.

Besondere Aufmerksamkeit widmete er auch der Lage der katholischen Kirche im Land. Bei Begegnungen mit dem Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), Tomo Vuksic, und seinem Vorgänger, Kardinal Vinko Puljic, kamen einige Herausforderungen zur Sprache, etwa die Sorge, dass die katholischen Kroaten als kleinste Volksgruppe über keine angemessene politische Repräsentation verfügten. Als bedrohliche Entwicklung wurde zudem die starke Abwanderung überwiegend junger Katholikinnen und Katholiken nach Kroatien oder Westeuropa geschildert. Die konkreten Erfahrungen der katholischen Versöhnungsarbeit standen wiederum im Mittelpunkt von Gesprächen mit Mitgliedern der Bosnischen Franziskanerprovinz und bei einem Besuch des Jugendpastoralzentrums Johannes PaulII."Auch unter schwierigen Bedingungen gelingt es in Bosnien und Herzegowina, das kirchliche Leben aufrechtzuerhalten. Obgleich sie kleiner geworden ist, bleibt die katholische Kirche ein zentraler Akteur des sozialen Engagements und der Verständigung zwischen den verschiedenen Gruppen. Die katholische Kirche in Deutschland wird diese unschätzbare Arbeit auch künftig unterstützen. Wir stehen solidarisch an der Seite der Katholikinnen und Katholiken in der Region", unterstrich Bischof Meier.

Weitere Gespräche führte Bischof Meier mit dem Hohen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft für Bosnien und Herzegowina, Christian Schmidt, und dem deutschen Botschafter in Bosnien und Herzegowina, Alfred Grannas. Dabei ging es unter anderem um die internationale Verantwortung für die Sicherung der Friedensordnung im Land und um Perspektiven für die zukünftige Ausgestaltung des politischen Systems."Viele Menschen in Bosnien und Herzegowina wünschen sich eine Zukunft ihres Landes als Teil der Europäischen Union. Sie sehen deshalb auch die Notwendigkeit, die Verfassung ihres Landes weiterzuentwickeln und eine gute demokratische Zukunft zu ermöglichen. Auf dem europäischen Weg sind sicherlich noch einige Hürden zu überwinden. Ich bin jedoch überzeugt: Der interreligiöse Dialog kann dazu beitragen, Spaltungen zu überwinden und den Zusammenhalt zu stärken."

Hinweis:

Fotos der Reise in Druckqualität sind kostenfrei in der DBK-Mediendatenbank (https://medien.dbk.de/share/CFB6A443-4C7A-4237-BACEA8EAD80A6278/) unter Angabe des Copyrights © Deutsche Bischofskonferenz/Marko Orlovic verfügbar.

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Pressestelle/Öffentlichkeitsarbeit
Kaiserstraße 161
53113 Bonn
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