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Reformen und Reflation: Das Aufwärtspotenzial Japans erschließen

ID: 2240282

Von Barry Glavin, Head of Equity at Amundi, und Hiromi Ishihara, Head of Equity Japan at Amundi


(PresseBox) - Der japanische Aktienmarkt hat sich viele Jahre unterdurchschnittlich entwickelt und wird mit einem niedrigeren Kurs-Buchwert-Verhältnis gehandelt als seine globalen Pendants. Dieser Abschlag ist gerechtfertigt, da die Eigenkapitalrendite niedriger ist. Der Grund hierfür sind überdimensionierte Bilanzen. Viele Unternehmen haben überschüssige Barmittel gehortet, beträchtliche Beteiligungen an anderen Firmen gehalten und umfangreiche Immobilienportfolios aufgebaut. Diese Vermögenswerte werden für den operativen Betrieb nicht benötigt und stellen so eine schlechte Verwendung des Eigenkapitals dar.

Reform der Unternehmensführung, um Bewertungsabschläge zu beseitigen

Bereits vorüber einem Jahrzehnt setzten die japanischen Regulierungsbehörden unter Premierminister Shinzo Abe eine Agenda zur Unternehmensführung durch, um sicherzustellen, dass Unternehmen Kapital effizienter einsetzen und im besten Interesse der Aktionäre handeln. Seitdem haben viele Unternehmennicht zum Kerngeschäft gehörende Vermögenswerte veräußert, ihre Barbestände reduziert und überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückgeführt. Diese Maßnahmen steigern die Eigenkapitalrendite, stützen höhere Kurs-Buchwert-Verhältnisse und erhöhen denGewinn pro Aktie, da die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien sinkt. Dennoch benötigt „Japan Inc.“ weitere Bilanzreformen. Die Aktionäre dürften davon profitieren, wenn in den kommenden Jahren Wertpotenziale freigesetzt werden.

TSE: Tokyo Stock Exchange

Dabei vollzieht sich dieser Prozess in jüngster Zeit vor einem günstigeren wirtschaftlichen Hintergrund. Die japanische Wirtschaft scheint sich von jahrzehntelanger struktureller Deflation zu erholen. Ein stärkeres nominales BIP-Wachstum und ein normaleres Zinsumfeld bieten ein deutlich gesünderes Umfeld für die Unternehmensrentabilität. Der politische Neuanfang hat eine disziplinierte, groß angelegte Integration von fiskalpolitischem Aktivismus, Sicherheits- und Technologiepolitik ermöglicht. Japan hat die Deflation sowohl wirtschaftlich als auch psychologisch überwunden, baut Kapazitäten auf, anstattSparmaßnahmen zu verhängen, und positioniert sich neu als strategischer Anker im indopazifischen Raum. Soziale Einschränkungen werden durch Technologie bewältigt, was einen strukturellen, keinen zyklischen Wandel markiert.





Yen im Wandel: Bewertung und Kapitalströme stützen einen stärkeren Yen

Im Gegensatz zur relativen Stärke des Euro schwächte sich der Yen bis Ende 2025 ab, was vor allem auf die vorherrschende These der „fiskalischen Dominanz“ zurückzuführen war. Nachdem die Premierministerin Sanae Takaichi im Oktober erstmals Vorsitzende der liberaldemokratischen Partei wurde, blieb die Prämie für finanzpolitische Risiken bestehen. Die Märkte verfolgten einen einfachen „Takaichi-Trade“ – Short-Positionen in japanischen Staatsanleihen, Short-Positionen im Yen, Long-Positionen in Aktien –, während die Rolle des Yen als sicherer Hafen ohne Rückführungsströme fragil erschien.

Seit Takaichis Erdrutschsieg bei den Parlamentswahlen ist die Reaktion der Märkte differenzierter geworden: Die Entwicklungen haben den anfänglichen „Takaichi-Trade“ teilweise rückgängig gemacht, die Zinskurve hat sich abgeflacht, Staatsanleihen mit langer Laufzeit haben sich stabilisiert, und der Yen hat zeitweise Stärke gezeigt, da sich die Anleger eher auf den Umfang und den Zeitpunkt der fiskalischen Maßnahmen sowie die operative Unabhängigkeit der Bank of Japan konzentrieren als auf Schlagzeilen.

Unsere Einschätzung bleibt, dass 2026 in erster Linie von einer Abschwächung des Dollars geprägt sein wird. Über den schwachen Dollar hinaus gründet die Unterstützung für den Yen auf der Bewertung und den Kapitalströmen: Die extreme Unterbewertung nach verschiedenen Kennzahlen macht den Yen sensibel gegenüber Kapitalrückführungen, die Auflösung von Carry-Trades und Interventionssignalen. Darüber hinaus könnte dieselbe politische Dynamik, die einen festeren Euro gestützt hat, auch den Yen begünstigen, wenn die fiskalische Lockerung in Japan die Binnenkonjunktur ankurbelt. Abwärtsrisiken bleiben allerdings bestehen: Ein anhaltendes Szenario der finanzpolitischen Dominanz, welches die BoJ zur geldpolitischen Lockerung zwingt, oder ein ungebremster fiskalischer Impuls, der größer ausfällt als von den Märkten erwartet, würde den Abwertungsdruck auf den Yen wieder aufleben lassen.

Quelleninformationen und weitere Angaben finden Sie im Thematic Paper sowie im Amundi Research Center.

Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von dem Amundi Asset Management und sind Stand 6. März 2026. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung des Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte des Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.

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Datum: 25.03.2026 - 10:06 Uhr
Sprache: Deutsch
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Ansprechpartner: Anette Baum
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Kategorie:

Finanzen



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