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WDR-Befragung: Jedes dritte Kind in Klassenchats ist mit problematischen Inhalten konfrontiert

ID: 2238512

(ots) - Sperrfrist 18.03.26, 06:00 Uhr

Beleidigungen, Ausgrenzung, verstörende Bilder und Videos: Für viele Kinder und Jugendliche gehören problematische Inhalte inzwischen zum Alltag in Klassenchats. Acht von zehn sind Mitglied in einem Klassenchat. Mehr als ein Drittel dieser Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 16 Jahren hat dort bereits belastende oder unangenehme Inhalte gesehen (35 Prozent). Das geht aus einer exklusiven Befragung hervor, die das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap im Auftrag des WDR Newsrooms durchgeführt hat.

Die Erfahrungen derjenigen, die schon einmal belastende oder unangenehme Inhalte gesehen haben, sind unterschiedlich ausgeprägt: Beleidigungen oder Bloßstellungen von Schülerinnen und Schülern oder Lehrerinnen und Lehrern haben mehr als zwei Drittel von ihnen gesehen (69 Prozent). Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit belastenden oder unangenehmen Inhalten im Klassenchat hat dort Ausgrenzung oder Mobbing einer Person mitbekommen (54 Prozent) und jede oder jeder Vierte hat Videos oder Bilder von Gewalt oder Verletzungen gesehen (26 Prozent). Mehr als jede oder jeder Sechste, der schon etwas Unangenehmes oder Belastendes im Klassenchat erlebt hat, sah Inhalte, die zu Hass, Gewalt oder Ausgrenzung gegen bestimmte Gruppen aufrufen (17 Prozent) und zwölf Prozent sahen bereits Videos oder Bilder von nackten Körpern.

WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau:„Wenn jedes dritte Kind in Klassenchats mit problematischen Inhalten konfrontiert wird, darf uns das nicht kaltlassen. Keine Schülerin und kein Schüler sollte mit Gewalt, Hass, Ausgrenzung oder sexuellen Inhalten konfrontiert werden. Dafür müssen wir Medienkompetenz neu denken. Nicht nur als Antwort auf Desinformation, sondern als vorbeugende Kraft im digitalen Raum – insbesondere für junge Menschen. Als WDR schaffen wir ein wichtiges Fundament, um das Thema in die Mitte der gesellschaftlichen Debatte zu holen: Wir sprechen mit den Betroffenen und nicht nur über sie.“





In der Befragung wurden Klassenchats als digitale Räume definiert, in denen Schülerinnen und Schüler unter sich sind – ohne Eltern und Lehrer. Rund acht von zehn Schülerinnen und Schülern geben an, Mitglied in einem Klassenchat zu sein (82 Prozent), meist beim US-Messengerdienst WhatsApp. In den Chats geht es um schulische Themen, lustige Inhalte und privaten Austausch. Sechs von zehn Kindern in Klassenchats sagen, dass der schon einmal geholfen hat, ein Problem innerhalb der Klasse zu lösen (61 Prozent).

In den Fokus geraten Klassenchats immer dann, wenn sie eskalieren. Und das passiert an deutschen Schulen regelmäßig. Der WDR hat Einblick in Klassenchats erhalten und Chatverläufe dokumentiert, in denen verstörende Inhalte zu sehen sind – darunter Morddrohungen, Nacktbilder, rechtsradikale Sticker, rassistische Memes und Videos mit brutalen Gewaltdarstellungen.

Diese Inhalte hinterlassen Spuren bei den Kindern. Während der Recherche erzählte ein Fünftklässler von Nacktbildern im Klassenchat: „Das war das allererste Mal, dass ich auch Nacktbilder von anderen Leuten gesehen habe. Ich konnte die Nacht nicht schlafen. Und ich habe die ganze Zeit versucht, das irgendwie aus meinem Kopf rauszupressen.“

Auchüber die Auswirkungen von Klassenchats liefert die Befragung aufschlussreiche Informationen: Weil etwas im Klassenchat gepostet wurde, hat sich jedes vierte Kind, das Mitglied in so einem Chat ist, schon Sorgen gemacht (25 Prozent). Fast jede oder jeder Fünfte hatte schon das Gefühl, das Handy nicht weglegen zu können (19 Prozent). Etwa jede oder jeder Sechste hat schon einmal keine Lust gehabt, in die Schule zu gehen (17 Prozent). Und jedes zwölfte befragte Kind hat schon geweint (8 Prozent).

Bildungsexperte und Buchautor Bob Blume nennt im WDR-Interview einen der Gründe für die Probleme: „In einer Phase der Orientierungslosigkeit bekommt man ein unfassbar mächtiges Werkzeug in die Hand, das man ausprobiert. Und dieses Ausprobieren hat mit anderen Menschen zu tun. Gleichzeitig kann man den Effekt, den es auf andere Menschen hat, auf Mitmenschen, auf Mitschülerinnen und Mitschüler, aber noch nicht einschätzen. Das führt dann eben zu diesen massiven Problemen.“

Der Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger, Leiter des Instituts für Cyberkriminologie an der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg, sieht ein gesellschaftliches Versagen beim Thema: „Wir haben Kinder und Jugendliche seit mindestens zwei Generationen im digitalen Raum komplett allein gelassen. Wir haben zugelassen,dass sie mit extremistischen Inhalten, mit gewalttätigen Inhalten und mit pornografischen schweren Delikten konfrontiert werden. Und wir haben auch zugelassen, dass das zu einer Art Enthemmung bei manchen führen kann.“

Crossmediales WDR-Projekt„Inside Klassenchats“

„Inside Klassenchats“ ist ein crossmedialer Themenschwerpunkt des WDR Newsrooms. Hand in Hand zeigen die hier entstehenden WDR/ARD-Produkte und die jungen Digitalangebote des „Newscampus“ am 18. März unterschiedliche Perspektiven auf das Thema, aufbereitet für unterschiedliche Zielgruppen.

Im WDR Fernsehen läuft um 22:15 Uhr die gleichnamige 30-minütige Dokumentation, vorab wird sie in der ARD Mediathek und ab 16:00 Uhr auf dem YouTube-Kanal des WDR veröffentlicht. Es wird eine Sonderfolge des Nachrichtenpodcasts 0630 geben.

Auf dem YouTube-Kanal„Die andere Frage“ vom WDR erscheint um 14 Uhr zusätzlich eine Reportage, die explizit die Täterperspektive auf Klassenchats in den Mittelpunkt stellt.

Die Ergebnisse der exklusiven Befragung von infratest dimap finden Sie auf wdr.de und in der WDR aktuell App. Für die Befragung wurden 1.257 Schülerinnen und Schüler zwischen zehn und 16 Jahren in Deutschland online befragt – davon 1.029 Nutzerinnen und Nutzer von Klassenchats. Die Gruppe der (1.257) befragten Schülerinnen und Schüler bildet in ihren Grundstrukturen Kinder und Jugendlicheim Alter von zehn bis 16 Jahren hinsichtlich der Merkmale Bundesland, Alter, Geschlecht und Bildung zuverlässig ab.

Pressekontakt:

WDR Kommunikation
Tel.: 0221 220 7100
Email: Kommunikation(at)wdr.de


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