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Navid Kermani:"Hardliner"könnten im Iran die Machtübernehmen

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(ots) - Der Schriftsteller und Publizist Navid Kermani blickt im WDR skeptisch auf die Zukunft des Iran. Kermani sagt dem WDR5 Morgenecho, die Signale aus den USA deuteten nicht auf einen Regime Change hin. Kermani befürchtet, dass auch nach dem Sturz des Revolutionsführers Chamenei"Hardliner"im Iranübernehmen, und dass man der Meinung sein könnte, einen geschwächten Iran besser kontrollieren zu können. Kermani sagte, wenn man schon militärische Mittel einsetze - was er nicht für den richtigen Weg hält - dann sollte nicht einfach das Regime enthauptet werden, sondern man müsste gezielt darauf aus sein, eine politische Lösung herbeizuführen, oder, so Kermani wörtlich,"herbeizubomben". Kermani sieht auch andere Mittel als die Militärschläge - er forderte, dass Deutschland und andere Staaten Ermittlungen aufnehmen könnten, es seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit in großer Zahl geschehen.

Hier das komplette Gespräch im Transkript. Die Zitate sind ab sofort frei mit Quellennennung WDR.

Wie viel Kontakt können Sie aktuell in den Iran halten?

Leider nicht viel. Gestern kam eine Nachricht durch, ein Sprachnachricht. [...] Soweit sind alle wohlauf, aber die Lage ist wirklich fürchterlich.

Die Menschen haben natürlich große Angst, weil die Ziele, die angegriffen werden, also Polizeistationen, Fernsehsender, sind ja mitten in der Stadt. Das heißt, die Städte werden bombardiert. Und auch wenn es jetzt keine gezielten Angriffe auf Wohngebiete sind bisher, soweit ich das wahrnehme, gibt es viele zivile Opfer, Krankenhäuser, die Grundschule im Süden, wo viele kleine Mädchen gestorben sind. Das geht den Menschen natürlich ins Mark.

Unmittelbar, als die Nachricht kam, dass der Revolutionsführer gestorben ist, da gab bei sehr vielen Menschen Genugtuung. Chamenei hat das Land in den vollkommenen Ruin getrieben. Das Massaker vom 8. oder 9. Juli, bei dem wohl Zehntausende getötet worden sind, dafür ist er direkt verantwortlich - der Befehl kam von ihm. Es gibt bei Menschen die Hoffnung, dass dieser Angriff zu einem Sturz des Regimes führt. Das kann ich auch nachvollziehen.





Wir sind ja jetzt ein paar Tage weiter, da ist die Skepsis größer, zumal die Signale aus Amerika ja gar nicht auf einen Regime Change hinzielen, sondern darauf, das wird ja auch ziemlich deutlich gesagt, dass dieses Regime am Ende wahrscheinlich ja bestehen bleibt, nur geschwächt und ein geschwächtes Regime kann eben noch brutaler sein, wie es nach dem Zwölftagekrieg im Sommer ja schon der Fall war.

Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschehen in großer Zahl und Deutschland könnte - wie andere Staaten auch - Ermittlungen aufnehmen gegen die Täter. Es könnte Beweise sammeln, das sind natürlich Dinge, die für die Zukunft sehr wichtig sind. Man sieht es ja auch am Beispiel Syrien, wo es dann auch wirklich zu Anklagen kam. Ich glaube, es hat gerade jetzt eine große Bedeutung und es wäre auch ein Signal, dass es durchaus auch andere Möglichkeiten gibt, ökonomische Möglichkeiten.

Wenn man schon militärische Mittel einsetzt, dann sollten sie nicht einfach nur das Regime enthaupten und danach zieht man ab, sondern man müsste gezielt darauf aus sein, eine politische Lösung versuchen herbeizuführen, herbeizubomben, meinetwegen. Nicht einmal das scheint ja der Fall zu sein, nach allem was wir hören, gehen die Amerikaner davon aus, dass eine Fraktion übernehmen wird. Es gibt schon Berichte, welche Fraktion das sein könnte. Das wären die Hardliner und dass man mit einem geschwächten Iran dann meint, besser umzugehen. Und ich glaube, das ist eine große, große Fehlkalkulation nach innen wie nach außen.

Vielleicht gibt es Pläne, die ich nicht kenne. Vielleicht gibt es einen Plan, der das Regime zur Mäßigung zwingt, der versucht, einen Übergang herzustellen. Aber ich sehe dafür im Augenblick noch weniger Anzeichen als am Samstag, wo zugegeben auch ich eine gewisse, ich will nicht sagen Freude, aber doch Genugtuung hatte.

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Datum: 04.03.2026 - 10:13 Uhr
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