Unterfinanzierung des Großhandels bedroht Arzneimittelversorgung / PHAGRO schreibt Bundesministerin Warken: 65 Prozent aller verschreibungspflichtigen Arzneimittel für den Großhandel unwirtschaftlich

(ots) - Die wirtschaftliche Lage des vollversorgenden pharmazeutischen Großhandels wird immer schwieriger. Darum hat der Bundesverband PHAGRO einen dringenden Appell an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gesendet:"Sollte eine angemessene Vergütungsanpassung ausbleiben, bleibt den Mitgliedsunternehmen allein der Weg, jeweils für sich zu überlegen, die Erfüllung des gesetzlichen Sicherstellungs- und Versorgungsauftrags auf das wirtschaftlich leistbare Maß zu reduzieren", schreiben die Geschäftsführenden Vorstände, Marcus Freitag und Kerem Inanc. 65 Prozent aller verschreibungspflichtigen Arzneimittelpackungen können nicht mehr wirtschaftlich vorgehalten und abgegeben werden. Grund sind stetig steigende Kosten bei unveränderter Vergütung.
In der Apotheke erhalten Patientinnen und Patienten alle Produkte, die sie brauchen, um gesund zu werden - weil der vollversorgende pharmazeutische Großhandel gemäß seinem gesetzlichen Auftrag das gesamte Sortiment an Arzneimitteln vorhält."Wir nehmen unseren gesetzlichen Versorgungsauftrag sehr ernst", betonen die PHAGRO-Vorstände Freitag und Inanc."Doch die wirtschaftliche Basis zur Erfüllung dieses Auftrags erodiert rapide."Wenn Großhandlungen aufgeben oder ihr Leistungsportfolio reduzieren müssten, würde das Versorgungsniveau für Patientinnen und Patienten in Deutschland spürbar sinken.
Im Brief an die Ministerin rechnet der PHAGRO vor: Jährlich liefern die vollversorgenden pharmazeutischen Großhandlungen in Deutschland rund 750 Millionen Packungen verschreibungspflichtiger Arzneimittel aus. 65 Prozent dieser Packungen - rund 500 Millionen - können nicht mehr kostendeckend beschafft, gelagert und ausgeliefert werden. Besonders defizitär sind niedrigpreisige, rabattvertragsgeregelte Generika, also genau jene Arzneimittel, die die Basis der Versorgung in Deutschland bilden. Der PHAGRO fordert darum dringend eine Reform der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV): Eine Erhöhung des Festzuschlags von derzeit 73 Centpro Packung um mindestens 30 Cent ist aus Großhandelssicht betriebswirtschaftlich notwendig, um eine annähernde Deckung der aktuellen Kosten sicherzustellen. Darin wären absehbare Kostensteigerungen noch nicht eingepreist.
Die gesetzliche Großhandelsvergütung wurde seit 2012 nicht substanziell angepasst. Seitdem sind die Kosten, die der Pharmagroßhandel für die flächendeckende Arzneimittelversorgung trägt, dramatisch gestiegen. Die Tariflöhne liegen heute mehr als 40 Prozent höher. Energiepreise und Zinskosten haben stark zugenommen. Hinzu kommt der massiv gestiegene Anteil hochpreisiger Arzneimittel, der aufgrund der Deckelung des variablen Zuschlags der gesetzlichen Großhandelsspanne bei 37,80 Euro nicht zu höheren Erlösen, sondern nur zu steigenden Kosten führt. Auch erheblich gestiegene regulatorische und operative Anforderungen an den Pharmagroßhandel machen eine Reform der AMPreisV zwingend erforderlich, schreiben die PHAGRO-Vorstände Freitag und Inanc:"Die gesetzliche Unterfinanzierung des Großhandels bedroht absehbar nicht nur die wirtschaftliche Existenz der vollversorgenden pharmazeutischen Großhandlungen, sondern damit gleichzeitig auch die Stabilität der Arzneimittelversorgung in Deutschland."
Der PHAGRO
Im PHAGRO | Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels e. V. sind die acht pharmazeutischen Großhandlungen organisiert, die ein nachfrageorientiertes, herstellerneutrales Vollsortiment führen und die flächendeckende Versorgung aller öffentlichen Apotheken in Deutschland sicherstellen. Für den Pharmagroßhandel arbeiten 26.300 Beschäftigte. Die Branche erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 42,5 Milliarden Euro.
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Datum: 26.02.2026 - 11:46 Uhr
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