Neue Ausbaupläne für Gasförderung vor Borkum: Deutsche Umwelthilfe fordert Stopp des Unitarisierungsabkommens und konsequenten Meeresschutz

(ots) -
- Niederländischer Gaskonzern plant zusätzliche Bohrplattformen und Pipelines direkt an und möglicherweise auch in deutschen Meeresschutzgebieten
- Unitarisierungsabkommen könnte deutsche Behörden faktisch entmachten und Weg für weitere fossile Projekte in Schutzgebieten freimachen
- DUH fordert von der Bundesregierung den umgehenden Stopp des Unitarisierungsabkommens und ein Meeresschutzgesetz ohne Schlupflöcher
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warnt angesichts gestern bekannt gewordener, neuer Gasförderpläne vor einem drohenden Ausverkauf von Klima- und Meeresschutz in der Nordsee. Eine Investorpräsentation des kanadischen Energiekonzerns Tenaz Energy von Ende Januar belegt, dass der niederländische Gaskonzern One-Dyas das umstrittene GEMS-Gasprojekt vor der Insel Borkum neben demUNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer massiv ausweiten will. Die DUH fordert angesichts dieser neuen Erkenntnisse von der Bundesregierung, das aktuell diskutierte deutsch-niederländische Unitarisierungsabkommen zu stoppen. Durch das Abkommen würden die Handlungsmöglichkeiten deutscher Behörden massiv eingeschränkt. Zudem muss der Gesetzesentwurf zum Verbot von Öl- und Gasförderung unter Meeresschutzgebieten laut DUH dringend nachgebessert werden, um diese lückenlos auszuschließen.
Dazu Sascha Müller-Kraenner, DUH-Bundesgeschäftsführer:"Die Pläne von One-Dyas und Tenaz in der Nordsee sind ein Frontalangriff auf Klima- und Meeresschutz: Direkt neben und möglicherweise auch in hochsensiblen Schutzgebieten sollen neue Plattformen, Bohrungen und Pipelines entstehen - für vergleichsweise geringe Gasmengen, die unsere Versorgungssicherheit kaum erhöhen, stattdessen aber das Ökosystem Nordsee dauerhaft schädigen. Die Bundesregierung darf sich mit dem Unitarisierungsabkommen und einem löchrigen Meeresschutzgesetz nicht selbst entmachten, sondern muss endlich klarstellen: In Meeresschutzgebieten hat der Schutz von Schweinswal, Robbe und Riffen ausnahmslos Vorrang vor den Geschäftsinteressen der Gasindustrie."
Laut Analyse der DUH planen One-Dyas und Tenaz neben der bereits aufgestellten Plattform N05-A eine zusätzliche"Satellitenplattform"N04-A inklusive neuer Pipeline unmittelbar an der deutschen Grenze. Außerdem sollen mutmaßlich bis zu zwei weitere Gasförderplattformen auf deutschem Hoheitsgebiet errichtet werden. Das wirtschaftlich wichtigste neue Gasfeld und zahlreiche weitere Lagerstätten liegen direkt unter dem deutschen Meeresschutz- und Natura-2000-Gebiet"Borkum Riffgrund"und bräuchten zur Ausbeutung zusätzliche Plattformen, voraussichtlich direkt im Schutzgebiet.
Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz:"Deutschland hat sich längst über Jahre mit LNG-Langzeitlieferverträgen bevorratet, während der Gasverbrauch durch Wärmewende, Effizienz und den Ausbau erneuerbarer Energien sinkt. Die Wahrheit ist: Das Gas von One-Dyas brauchen wir schlicht nicht. Angesichts des bereits schlechten Zustands der Nordsee wäre eine Mehrfachbelastung der deutschen Nordsee durch bis zu vier Bohrplattformen in unmittelbarer Nähe und teilweise direkt in Schutzgebieten verheerend. So würden Riffe und Lebensräume des Schweinswals für ein fossiles Auslaufmodell geopfert. Diese Pläne sind energiepolitisch unnötig und ökologisch fatal."
Hintergrund:
Tenaz Energy ist im Oktober 2025 mit einem Anteilskauf in Höhe von 244 Millionen US-Dollar in das von One-Dyas geführte GEMS-Projekt eingestiegen. Diese Mittel erhöhen nach Einschätzung der DUH die Wahrscheinlichkeit weiterer Bohrungen und sogar Plattformen in deutschen Meeresschutzgebieten erheblich und beschleunigen die Ausweitung der Gasförderung in der Nordsee. Noch für dieses Jahr wird laut Investorunterlagen eine Investitionsentscheidung für die Erschließung der Gasfelder N04-A und N04-C in unmittelbarer Nähe zur bestehenden Förderung in N05-A erwartet. Bereits 2027 soll eine neue Satellitenplattform N04-A errichtetwerden. Des Weiteren könnten die Erschließung der Felder L1-Alpha und L2-Alpha, die mitten im Meeresschutzgebiet"Borkum Riffgrund"liegen, durch neue Plattformen folgen.
Die neuen Ausbaupläne werfen ein Schlaglicht auf das geplante deutsch-niederländische Unitarisierungsabkommen zur grenzüberschreitenden Gasförderung, zu dessen Ratifizierung am heutigen Mittwoch die öffentliche Anhörung im Bundeswirtschaftsausschuss stattfindet. Das Abkommen, das erst mit einem Vertragsgesetz von Bundestag und Bundesrat in Kraft treten kann, ist bereits in der Kritik, da es bestehende Genehmigungen selbst dann absichern würde, wenn sie aus Naturschutzgründen geändert oder widerrufen werden müssten.
Links:
- Investorenpräsentation von Tenaz Energy: https://share.google/oJxueZ3ErZApG9eXp
- DUH-Karte des GEMS-Projekts und neu geplanter Gasfelder: https://l.duh.de/p260225
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner(at)duh.de
Constantin Zerger, Bereichsleiter Energie und Klimaschutz
0160 4334014, zerger(at)duh.de
DUH-Newsroom:
030 2400867-20, presse(at)duh.de
www.duh.de
Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V.,übermittelt durch news aktuell
Themen in diesem Fachartikel:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.02.2026 - 07:30 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2233580
Anzahl Zeichen: 0
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Dieser Fachartikel wurde bisher 3 mal aufgerufen.
Der Fachartikel mit dem Titel:
"Neue Ausbaupläne für Gasförderung vor Borkum: Deutsche Umwelthilfe fordert Stopp des Unitarisierungsabkommens und konsequenten Meeresschutz"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Deutsche Umwelthilfe e.V. (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).



