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Wer ist hier eigentlich mit wem verwandt? Deutschlands Hirsche imÜberblick

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(ots) - Von Reh und Hirsch bis Elch und Muntjak: Sechs Hirscharten durchstreifen deutsche Wälder und Wiesen – manche dauerhaft, andere nur zeitweise oder in begrenzten Gebieten. Ihre Verwandtschaftsverhältnisse sind komplex und führen oft zu Trugschlüssen. So ist das Reh nicht die Frau des Rothirschs – und viel enger mit dem Elch verwandt.

Das größte freilebende und regelmäßig vorkommende Landsäugetier Deutschlands ist der Rothirsch (Cervus elaphus). Er zählt zu den Echten Hirschen (Cervinae). Ausgewachsene Tiere wiegen bis zu 250 Kilogramm und erreichen eine Schulterhöhe von etwa anderthalb Metern. Rund 250.000 Rothirsche leben Schätzungen zufolge in Deutschland, meist zurückgezogen in größeren Waldgebieten. Besonders eindrucksvoll sind die Geweihe der Männchen, die acht oder mehr Enden pro Geweihstange tragen können. Der Rothirsch ist in Europa, Nordafrika, Teile des Nahen Ostens und im NordenIrans heimisch.

Der weibliche Hirsch heißt Hirschkuh. Sie trägt kein Geweih und ist etwa halb so schwer wie ein männlicher Rothirsch. Außerhalb der Brunft leben männliche Hirsche und Hirschkühe meist getrennt; zur Paarungszeit sind die Männchen besonders aktiv und legen weite Strecken von bis zu 100 Kilometern zurück.

Der Sikahirsch (Cervus nippon) stammt aus Ostasien und kommt in Deutschland nur in wenigen Regionen vor. Der größte Bestand mit ca. 1.000 Tieren lebt im Arnsberger Wald. Anders als der Rothirsch, der während der Brunftzeit tief und langgezogen röhrt, gibt der Sikahirsch in der Brunft eher pfeifende, hohe Laute von sich. Geweih und Körperbau sind im Vergleich zum Rothirsch viel zierlicher. Alsenger Verwandter des Rothirschs kann er sich mit diesem verpaaren. Diese Kreuzungen gefährden die genetische Integrität des heimischen Rothirschs. Der Sikahirsch gilt daher laut EU-Kommission in Europa als invasiv und soll nicht weiter verbreitet werden und – wenn möglich – beseitigt oder zumindest kontrolliert werden.





Auch der Damhirsch (Dama dama) gehört zu den Echten Hirschen. Er ist deutlich kleiner als der Rothirsch und lebt gern in Rudeln. Er wird häufig in Tierparks gehalten. Während Rot- und Sikahirsch verzweigte Stangen tragen, verbreitert sich das Geweih beim Damhirsch am Ende zu einer flächigen Schaufel – das macht ihnunverwechselbar. Typisch ist auch das helle Sommerfell mit weißen Flecken, die im Winter oft noch sichtbar sind. Der Damhirsch ist durch Einbürgerungen die weltweit am weitesten verbreitete Hirschart und ist auf allen Kontinenten, außer der Antarktis, zu finden.

Das Reh (Capreolus capreolus) gehört nicht zu den Echten Hirschen, sondern zu den Trughirschen (Capreolinae). Rehe und Rothirsche können sich nicht verpaaren. Mit über zwei Millionen Tieren sind Rehe in Deutschland flächendeckend verbreitet. Ein Reh wiegt im Schnitt nur rund 18 Kilogramm. Ältere Rehböcke tragen ein kleines Geweih mit meist drei Enden pro Geweihstange. Bei der Fortpflanzung greifen Rehe in die Trickkiste der Natur: Nach der Paarung im Sommer ruht die Entwicklung des Embryos mehrere Monate, erst ab Dezember wächst er weiter. Die Kitze werden dadurch erst im Frühsommer geboren, wo wärmere Temperaturen und ein besseres Nahrungsangebot herrschen.

Mit bis zu 650 Kilogramm Körpergewicht und rund zwei Metern Schulterhöhe ist der Elch (Alces alces) der Koloss unter den Hirschartigen. Auch er zählt zu den Trughirschen. Trotz des gigantischen Größenunterschiedes sind Reh und Elch also enger verwandt als Reh und Rothirsch. In Deutschland tauchen Elche meist nur vorübergehend auf, vor allem zur Paarungszeit im September. Ein Dauergast ist Elch „Bert“, der seit 2018 südwestlich von Berlin lebt.

Eine Besonderheit unter den Hirschartigen in Deutschland ist der Chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi). Statt eines großen, verzweigten Geweihs tragen die Männchen nur kurze Spieße, dafür besitzen sie verlängerte Eckzähne, die wie kleine Stoßzähne aus dem Maul ragen. Der kleine, ursprünglich aus Ostasien stammende Hirsch hat sich in Teilen Europas als gebietsfremde Art etabliert. Noch gibtes keine stabile Population in Deutschland. Seit 2015 wurden jedoch einzelne Tiere in Schleswig-Holstein nachgewiesen – es handelt es sich um Gehegeflüchtlinge oder ausgesetzte Tiere. Der Muntjak ist laut EU-Verordnung ebenfalls invasiv und sollte sich nicht etablieren.

Pressekontakt:

Jenifer Calvi
Pressereferentin Deutsche Wildtier Stiftung
Telefon 040-970 78 69 - 14
J.Calvi(at)DeutscheWildtierStiftung.de
www.DeutscheWildtierStiftung.de


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