Zinn im Höhenflug: Digitale Transformation treibt Preis und Nachfrage

(ots) - Zinn profitiert derzeit stark vom jüngsten Aufwärtstrend an den Metallmärkten. Der für die Elektronikindustrie unverzichtbare Rohstoff - rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage entfällt auf Lötzinn - gewinnt durch die digitale Transformation und die Energiewende massiv an Bedeutung. Gleichzeitig bleibt das Angebot begrenzt, insbesondere in der Demokratischen Republik Kongo und in Myanmar. Nach Einschätzung des Kreditversicherers Coface könnte deshalb 2026 erstmals seit fünf Jahren wieder ein globales Angebotsdefizit entstehen.
Seit Jahresbeginn verzeichnet Zinn den kräftigsten Preisanstieg unter den Nichteisenmetallen: plus 70 Prozent im Jahresvergleich auf rund 50.000 US-Dollar pro Tonne. Kurzfristig lässt sich die starke Preisvolatilität vor allem durch spekulative Aktivitäten erklären, die durch sehr niedrige Lagerbestände an den großen Metallbörsen in London und Shanghai begünstigt werden. Für das erste Halbjahr erwartet Coface durchschnittliche Zinnpreise von rund 45.000 US-Dollar pro Tonne - etwa 40 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auch andere Nichteisenmetalle wie Kupfer, Aluminium und Nickel verzeichnen einen deutlichen Aufwärtstrend. Der London Metal Exchange Index (LME-Index), der die Preisentwicklung der sechs wichtigsten Nichteisenmetalle abbildet, liegt aktuell 34 Prozent über dem Vorjahresniveau - nach lediglich 6 Prozent Wachstum zwischen 2024 und 2025. Diese Dynamik wird nicht nur von der Energiewende getragen, sondern vor allem von der digitalen Transformation, die enorme Mengen metallintensiver Infrastruktur erfordert - von Rechenzentren bis zur Halbleiterproduktion.
Wachsende Versorgungslücken treffen auf chinesische Dominanz
Für 2026 wird ein spürbares Angebotsdefizit am Zinnmarkt erwartet."Zwar dürfte die weltweite Produktion von raffiniertem Zinn um rund 3 Prozent wachsen, gleichzeitig jedoch erwarten wir einen Anstieg der Nachfrage um 3,5 Prozent. Damit verschiebt sich der Markt ins Minus und diese Entwicklung dürfte sich in den kommenden Jahren fortsetzen", erklärt Simon Lacoume, Branchenanalyst bei Coface."Die Erweiterung der globalen Abbaukapazitäten wird zu einer zentralen Herausforderung, da viele Vorkommen an ihre Grenzen stoßen."
China bleibt der mit Abstand wichtigste Akteur am Zinnmarkt und steht für 50 Prozent der globalen Produktion. Trotz regulatorischer Maßnahmen erwartet Coface dort auch 2026 ein Produktionswachstum von rund 5 Prozent. Zinn ist ein strategischer Rohstoff in Chinas Bestreben, bei der digitalen Infrastruktur und Datenverarbeitung unabhängiger zu werden. Indonesien, zweitgrößter Zinnerzproduzent weltweit, dürfte hingegen aufgrund strengerer Vorgaben und wachsender Skepsis gegenüber neuen Bergbauprojekten einen Rückgang verzeichnen.
Besonders kritisch ist die Lage in den Rohstoffländern DR Kongo und Myanmar, die zusammen 20 Prozent der globalen Produktion und 60 Prozent der chinesischen Zinnerzimporte ausmachen. In der DR Kongo beeinträchtigen anhaltende Kämpfe zwischen M23-Rebellen und Regierungstruppen regelmäßig die Förderung, besonders an der wichtigenBisie-Mine. In Myanmar verhindern anhaltende politische Unsicherheiten und schwierige Betriebsbedingungen eine Ausweitung der Produktion.
Starke Nachfrage trifft auf knappe Lagerbestände
Der starke Anstieg der Kupferpreise hat kurzfristig einen spekulativen Mitzieheffekt ausgelöst, der auch die Preise anderer Metalle - einschließlich Zinn - weiter nach oben getrieben hat. Darüber hinaus haben die niedrigen Lagerbestände des Jahres 2025 die Preisentwicklung der vergangenen Monate angetrieben."Dass viele Marktakteure ihre Bestände ausgerechnet während der Hochpreisphase wieder auffüllten, hat die Aufwärtsdynamik zu Beginn des Jahres zusätzlich verstärkt. Mit dem Abklingen spekulativer Aktivitäten dürften die Preisschwankungen jedoch wieder etwas abnehmen", sagt Simon Lacoume.
Langfristig bleibt die Nachfrageperspektive eindeutig positiv: Die steigende Produktion von Halbleitern und der Ausbau digitaler Infrastruktur werden den Bedarf an Zinn weiter erhöhen. Laut dem Halbleiter-Branchenverband SEMI sollen die weltweiten Auslieferungen von Siliziumwafern, die als Grundlage für moderne Chips dienen, 2026 um 5,2 Prozent wachsen - nach 5,4 Prozent im Jahr 2025. Da Zinn ein unverzichtbarer Bestandteil bei der Produktion und Verbindung dieser Chips ist, verstärkt der Boom bei Siliziumwafern unmittelbar auch die Nachfrage nach Zinn.
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Datum: 12.02.2026 - 12:05 Uhr
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