Die Energiewende braucht Photovoltaik vom Dach / Abschaffung der Einspeisevergütung könnte zu reduziertem PV-Ausbau führen

(ots) - Mehr als ein Drittel der Stromleistung aus Photovoltaik wird durch kleine PV-Dachanlagen bis 30 kWp bereitgestellt. Die von der Bundesregierung ins Auge gefasste Abschaffung der EEG-Vergütung und Einführung der verpflichtenden Direktvermarktung für dieses Segment könnte zu einem deutlichen Rückgang der Investitionen in private PV-Anlagen führen, solange die Prozesse in der Direktvermarktung nicht deutlich vereinfacht werden. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie"Dezentrale PV als Säule der Energiewende - Analyse und Perspektiven für kleine Dachsolaranlagen"(https://ots.de/Oo26EC) des Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, die von den EWS Elektrizitätswerken Schönau eG in Auftrag gegeben wurde.
"Unsere Berechnungen ergeben, dass für eine Direktvermarktung des Stroms kleiner PV-Dachanlagen bis 30 kWp zurzeit noch eine um etwa 15 Prozent höhere Eigenverbrauchsquote nötig wäre, um den gleichen wirtschaftlichen Ertrag wie unter EEG-Vergütung zu erzielen", sagt Dr. Verena Fluri, Projektleiterin und Mit-Autorin der Studie beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg."Mit der Folge, dass die Anlagen vermutlich kleiner dimensioniert und Dachflächen nicht vollständig genutzt würden."
Die Direktvermarktung von Strom aus kleinen PV-Anlagen stelle derzeit aber noch einen hohen Mehraufwand gegenüber der Einspeisevergütung für die Betreiber dar, da viele Prozesse noch nicht standardisiert und vereinfacht sind. Erforderlich wäre unter anderem eine Beschleunigung des Smart Meter Rollouts und eine flächendeckende Umsetzung eines standardisierten, elektronischen Datenaustauschs in der Energiewirtschaft.
"Dabei haben kleine Dachanlagen insbesondere in den letzten Jahren einen wesentlichen Anteil am jährlichen Leistungszubau ausgemacht", betont Peter Ugolini-Schmidt, Energiepolitischer Sprecher der EWS."Die neu installierte Leistung solcher Anlagen lag im Jahr 2023 bei acht Gigawatt peak, im vergangenen Jahr 2025 immerhin noch bei circa fünf GWp. Kleine Dachanlagen tragen derzeit wesentlich dazu bei, dass die EEG-Ausbauziele erreicht werden."
Die Studie analysiert ausführlich die Marktentwicklung kleiner PV-Dachanlagen, die Wirtschaftlichkeit sowie die Potenziale eines systemdienlicheren Einsatzes dieser PV-Anlagen. Ergänzende Experteninterviews gehen auf die mögliche Rolle und die wirtschaftlichen Herausforderungen einer Direktvermarktung für kleinePV-Dachanlagen ein. Um einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen zu ermöglichen und gleichzeitig Systemdienlichkeit zu sichern, sollten laut Fraunhofer ISE Optionen wie ein Festpreistarif in Kombination mit einem dynamischen Strombezugstarif oder eine flexible Einspeisevergütung geprüft werden.
"Wir müssen davon ausgehen, dass die Bundesregierung plant, die EEG-Vergütung für kleine PV-Dachanlagen abzuschaffen und diese in die Direktvermarktung zu zwingen", sagt Alexander Sladek, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau eG, in Bezug auf die anstehende EEG-Novelle,"doch bevor die EEG-Vergütung für PV-Dachanlagen überhastet gestrichen wird, müssen die Vorraussetzungen für eine effiziente Direktvermarktung geschaffen werden". Dies sei derzeit nicht gegeben, was die vorliegende Studie sehr deutlich mache:"Momentan", so Sladek weiter,"gibt es weder eine flächendeckende Ausstattung mit Smart Metern, um die Einspeisung des Solarstroms in die Netze zeitgenau überhaupt zu erfassen, noch haben wir diesbezüglich eine durchgehend standardisierte Marktkommunikation in Deutschland."
"Einüberstürzter Ausstieg aus der EEG-Vergütung würde Kleininvestoren, wie zum Beispiel die Bürgerenergie, direkt treffen, weil die Anlagen sich kaum noch rechnen", befürchtet Sladek."Und vor allem würde die Energiewende ausgebremst, weil weniger und kleinere Anlagen gebaut würden."
Die Frage der Einspeisevergütung ist ein wichtiger Bestandteil bei der Überarbeitung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG), die nötig ist, weil die EU-Genehmigung für die bisherige Vergütungsregelung Ende 2026 ausläuft. Das federführende Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) will in den nächsten Wochen einen Entwurf für eine EEG-Novelle vorlegen. Kernforderung der EWS ist dabei, dass die Planungssicherheit für EE-Investoren nicht geschwächt wird, die Ausbauziele für Erneuerbare Energien erhalten und so ergänzt werden, dass die Energiesysteme systemdienlicher undflexibler werden. Dazu gehört insbesondere der Ausbau und die Digitalisierung der Netzinfrastruktur in Deutschland.
- In der Online-Veranstaltung"Quo vadis, kleine PV? - EEG-Novelle nutzen und Solar-Ausbaukurs beibehalten"(https://www.ews-schoenau.de/ews/veranstaltungen-und-termine/eeg-novelle-nutzen/) am 09.03.2026 stellen wir die Ergebnisse der Studie vor und diskutieren mit Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung.
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Datum: 03.02.2026 - 09:21 Uhr
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