Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land beendet

(ots) - Mit einem Appell, der Hoffnung auf friedliche Perspektiven im Nahen Osten eine Chance zu geben, ist gestern (21. Januar 2026) das 25. Internationale Bischofstreffen für Solidarität mit den Christen im Heiligen Land zu Ende gegangen. Seit vergangenen Samstag haben sich 13 Bischöfe aus zehn Ländern Europas und Nordamerikas mit Vertretern der Ortskirche in Israel und Palästina getroffen, um ein Bild zur aktuellen Lage - gerade angesichts des Waffenstillstands zwischen der Terrororganisation Hamas und Israel - zu erhalten. Als Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz nahm Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz (Paderborn), Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche und Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, an dem Treffen teil.
Unter dem Leitwort"Land der Verheißung: Begegnung mit Menschen der Hoffnung"konnte sich die Delegation ein Bild vom Alltag der Christinnen und Christen in der Westbank machen. Erzbischof Bentz fasste zusammen:"Der Krieg scheint vorbei, der Konflikt sicherlich noch lange nicht."Bei einem Besuch in Taybeh erhielten die Bischöfe Informationen über die teilweise schwierigen Herausforderungen. Erzbischof Bentz zeigte sich erschüttert vom Graffiti am Ortseingang, auf dem radikale Siedler geschrieben hatten:"Ihr habt hier keine Zukunft". Er betonte:"Im direkten Kontakt mit den Menschen vor Ort zeigt sich, wie sehr die Einschüchterungsversuche und direkten Attacken in den vergangenen Monaten zugenommen haben, ohne dass die israelischen Sicherheitskräfte wirksam eingreifen. Immer mehr Menschen denken an Auswanderung. Der hohe Wohnungsleerstand, von dem uns zum Beispiel in Taybeh berichtet wurde, ist ein Alarmzeichen, dass die Menschen gehen. Deshalb muss gehandelt werden. Politik, zivilgesellschaftliche Initiativen und die Kirchen haben die Verpflichtung, Rahmenbedingungen zu stabilisieren, damit Menschen bleiben."Erzbischof Bentz betonte, dass ihn die Verunsicherung und Wut der Menschen sehr betroffen gemacht habe:"Da ist im Schatten von Gaza eine Dynamik im Gang, die bei uns oftübersehen wird, die aber auf keinen Fall hingenommen werden darf. Siedlergewalt und Siedlungsbau müssen sofort ein Ende haben. Das Existenzrecht des palästinensischen Volkes darf nicht infrage gestellt werden. Dafür treten wir genauso ein wie für das Existenzrecht Israels und seine Sicherheit. Allerdings sind Muster erkennbar, die darauf abzielen, eine stabile Zukunft der palästinensischen Bewohner zu verunmöglichen. Aus dem Bruch des Völkerrechts wird nie ein gerechter Friede erwachsen."
Ein weiterer Fokus der Reise war, israelische Organisationen kennenzulernen, die sich für Dialog und Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern sowie zwischen Juden, Christen und Muslimen einsetzen. Hier konnten die Bischöfe eine Sensibilität wahrnehmen, die Konfliktlage nach dem 7. Oktober 2023 nicht nur in einem"Schwarz-Weiß-Muster"anzuschauen. Für die Vertreter des"Rossing Center for Education and Dialogue", der"Rabbis for Human Rights"und des"Parents Circle"geht es in erster Linie um die Bewältigung erlittener Traumata und damit um realistische Wege zur Versöhnung. Rache und Vergeltung lehnen sie klar ab:"Das ist vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass Vergebung keine leere Floskel bleibt. Hier wird das biblische Bild vom Salz der Erde konkret: Keine Geste der Versöhnung, sei sie noch so unscheinbar, ist umsonst", so Erzbischof Bentz.
Für ihn sei die zentrale Frage, wie ein Friedensprozess zum Erfolg führen kann. Auch wenn von der örtlichen Bevölkerung kaum eine Hoffnung in die Zwei-Staaten-Lösung gesetzt werde, brauche es einen Impuls, an dieser Lösung perspektivisch festzuhalten:"Im Nahen Osten sehnen sich die Menschen nach nichts mehr als Frieden. Und trotzdem sind Ermüdung, Frustration und Ernüchterung festzustellen, weil beide Seiten - Israelis wie Palästinenser - kaum greifbare Entwicklungen erkennen können. Deshalb wünsche ich mir sehr, dass die Europäische Union hier eine stärkere Rolle einnimmt. Wir sind da als Europa in den zurückliegenden Jahren zu leise gewesen", so Erzbischof Bentz."Ich habe große Sorge, wie es in Israel weitergeht, angesichts des bald beginnenden Wahlkampfes. Meine Gesprächspartner vor Ort befürchten, dass es zu weiteren Radikalisierungen in der israelischen Gesellschaft kommen kann."
Bei den Begegnungen wurde auch die zunehmende Alltagsfeindlichkeit gegen Christen ebenso thematisiert wie der gesellschaftliche Beitrag der christlichen Bevölkerung zum Aufbau der Zivilgesellschaft."Hier hat mich besonders beeindruckt, wie in den christlichen Gemeinden Jugendarbeit organisiert wird. Das Bekenntnis zur christlichen Identität ist für das Überleben und die Akzeptanz in der Gesellschaft ebenso notwendig wie das Lernen des Zusammenlebens", so Erzbischof Bentz.
Die Delegation der Bischöfe aus Europa und Nordamerika konnte sich aus erster Hand über die Lage im Gazastreifen informieren. Von dort war der Pfarrer der katholischen Gemeinde in Gaza-Stadt, Gabriel Romanelli, zugeschaltet. Für Erzbischof Bentz sind die Christen im Gazastreifen, aber ebenso in den palästinensischen Autonomiegebieten und in Israel, eindrucksvolle Zeugen des Glaubens:"Die Arbeit von Pfarrer Romanelli und die Präsenz der Christen in Gaza sind ein lebendiges Zeugnis für die Berufung der Kirche, nämlich nah und treu bei denen zu sein, die besonders leiden. Durch seine Berichte erlebt man, wie sehr die Pfarrei ein Ort der Zuflucht für Hunderte von Menschen ist. Das ist gelebte Solidarität und Verantwortung für den Nächsten."Er fügte hinzu:"Das Christentum gehört zum kulturellen Erbe dieser Region. Christen sind nicht als Fremdkörper, sondern als Teil ihrer Geschichte vor Ort. Die Kirche steht vor einer ungeheuren, ja doppelten Herausforderung: wirksame humanitäre Hilfe zu leisten und gleichzeitig die zahlreichen Aufgaben zu stemmen, die die Präsenz der Kirche sichern. In solchen Situationen braucht es nicht nur Menschen, die für das Evangelium brennen, sondern auch verlässliche Strukturen und Organisationen, um dem Ganzen Wirksamkeit zu verleihen. Die Delegationsreise haben wir als Einladung verstanden: Komm und sieh . Jetzt haben wir den Auftrag erhalten: Geh und sprich darüber ."
Hinweise:
Das Abschlusskommuniqué des Internationalen Bischofstreffens finden Sie als PDF-Datei unter www.dbk.de. Weitere Informationen zur Reise sind unter www.dbk.de auf der Themenseite Bischofstreffen Heiliges Land (https://www.dbk.de/themen/bischofstreffen-heiliges-land) verfügbar.
Bildmaterial von der Delegationsreise und von Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz finden Sie in der Mediendatenbank (https://medien.dbk.de/share/B5D24575-2B90-4001-917FBD33963F7FE5/) der Deutschen Bischofskonferenz. Die Bilder können unter Angabe des Copyrighthinweises kostenfrei verwendet werden.
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