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Fehler, Schweigen, Stress–was wirklich hinter vielen Arbeitsunfällen steckt

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(ots) - Steigender Druck, enge Zeitfenster, fehlende Kommunikation. In vielen Unternehmen sind Arbeitsunfälle nicht das Ergebnis fehlender persönlicher Schutzausrüstung oder unsicheren Maschinen. Die Ursachen liegen oft tiefer. Sie entstehen dort, wo Menschen Fehler verschweigen, weil sie Angst vor Ärger, Spott oder Nachteilen haben. Und sie entstehen dort, wo Organisationen durch widersprüchliche Signale unbewusst ein System begünstigen, das Schweigen belohnt und offenes Reden bestraft.

Dabei zeigt sich immer wieder: Die meisten Unfälle passieren nicht, weil jemand unachtsam ist, sondern weil aus kleinen unbeachteten Risiken große Folgen werden. Echte Prävention beginnt deshalb mit einem offenen Umgang mit Fehlern. Und sie beginnt damit, zu verstehen, warum so viele kritische Situationen niemals ausgesprochen werden.

Die unterschätzte Dunkelziffer

Grundsätzlich lässt sich sagen: Viele Arbeitsunfälle könnten verhindert werden, wenn sie rechtzeitig angesprochen würden. In vielen Unternehmen gibt es eine erstaunlich hohe Dunkelziffer. Besonders dort, wo körperlich gearbeitet wird, etwa im Handwerk, beim Bedienen von Maschinen und Anlagen sowie in der Logistik. Wenn sich Unternehmen seit zwei oder drei Jahren unfallfrei feiern lassen, ist das oft weniger ein Zeichen perfekter Sicherheit als ein Hinweis darauf, dass Unfälle gar nicht erst gemeldet werden. Die Frage lautet daher: Warum werden Bagatellunfälle oder Beinaheunfälle so selten gemeldet?

Die Antwort liegt selten in Gleichgültigkeit. Sie liegt in der Funktionsweise des menschlichen Gehirns, das eine soziale Bedrohung ähnlich wahrnimmt wie körperliche Bedrohung. Wer einen Unfall meldet und anschließend von der Führungskraft Ärger bekommt oder spöttisches Feedback hört, der lernt schnell, dass Schweigen sicherer ist als Reden. Wer sich einmal blamiert hat, weil er eine Situation angesprochen hat und dafür belächelt wurde, wird beim nächsten Mal schweigen.





Psychologische Sicherheit als Grundlage

Um Risiken offen ansprechen zu können, brauchen Beschäftigte ein angemessenes Maß an psychologischer Sicherheit. Der Begriff wird jedoch häufig missverstanden. Es geht nicht darum, dass niemand mehr Klartext reden darf. Psychologische Sicherheit bedeutet vielmehr, dass Menschen wissen, worauf sie sich verlassen können. Wer einen Beinaheunfall meldet, muss beispielsweise beim Schichtführer A dieselbe Reaktion bekommen wie beim Schichtführer B. Er muss wissen, dass er bei allen Führungskräften auf ein offenen Gehör trifft, wenn Ereignisse angesprochen werden. Diese Vorhersehbarkeit schafft Vertrauen und verhindert, dass Mitarbeiter aus Angst vor willkürlichen Reaktionen lieber schweigen.

Besonders kritisch wird es, wenn Führungskräfte selbst unter Druck stehen. In manchen Unternehmen müssen sie nach einem Unfall innerhalb weniger Stunden vor Vorstand oder Geschäftsführung erklären, warum der Unfall passiert ist und welche Lösungen sie bereits entwickelt haben. Solche Druck ausübenden und wenig fairen Situationen führen dazu, dass Führungskräfte versuchen, negative Ereignisse möglichst zu vermeiden. Und diese Haltung wird an die Belegschaft weitergegeben. Die Folge: Unfälle werden nicht gemeldet, die Zahlen bleiben auf dem Papier schön und die Risiken wachsen im Verborgenen.

Wenn Schweigen belohnt wird

Es ist nicht allein die Angst vor Reaktionen. Oft belohnt das System selbst das Verschweigen. Wenn ein Unternehmen Rekorde feiert, weil es unfallfrei ist, dann wird die Person, die einen Unfall meldet, schnell als Störfaktor wahrgenommen. Hinzu kommen Prämienmodelle, die fast ausschließlich auf Produktionsmenge ausgerichtet sind. Wenn sicheres Arbeiten in solchen Prämien keinen Stellenwert besitzt, steht für Mitarbeiter die Produktion im Vordergrund. Sicherheit wirkt wie eine Bremse. Steigt der Produktionsdruck, wird schnell unsicher gerarbeitet und die Wahrscheinlichkeit schwerer Arbeitsunfälle nimmt zu.

Sicherheit kann aber nur funktionieren, wenn sie im Leistungsprinzip verankert ist. Prämien sollten neben Produktionszielen auch Sicherheitsfaktoren enthalten. Zielvorgaben wie null Unfälle erzeugen dagegen das Gegenteil von Prävention. Sie führen dazu, dass jede Meldung als Scheitern gilt. Am Ende gibt es weniger Meldungen und alle glauben, das Sicherheitsniveau sei hoch, obwohl niemand mehr die Wahrheit ausspricht.

Mehr Meldungen als Schlüssel zur Prävention

Wirksamer Arbeitsschutz entsteht nur, wenn Unternehmen erreichen, dass unsichere Situationen angesprochen werden. Mitarbeiter und Führungskräfte müssen das Gefühl haben, dass Reden möglich ist und dass es nicht gefährlicher ist als Schweigen.

Solange Meldungen als Angriff auf das System oder als persönliches Versagen gelten, helfen keine Poster, keine Unterweisungen und keine Trainings. Wenn die Unfallzahlen plötzlich steigen, ist das oft ein Zeichen dafür, dass die Fehlerkultur nicht funktioniert.

Was es braucht, ist eine klare Erwartungshaltung. Von Management an Führungskräfte und von Führungskräften an Mitarbeiter. Wir sprechen unsichere Situationen an. Wir melden alle Arbeits- und Beinaheunfälle. Und wenn gemeldet wird, ist das ein positives Signal. Wer etwas anspricht, liefert wertvolles Feedback. Führungskräfte müssen eher dankenstatt zu tadeln. Und Führungskräfte müssen Mitarbeitern auch Rückhalt geben, falls Kollegen sich querstellen.

Ein klarer Fahrplan statt Einzelmaßnahmen

Damit eine wirksame Sicherheitskultur entsteht, reicht es nicht, einzelne Maßnahmen durchzuführen. Kulturwandel braucht Zeit und Systematik. Es braucht eine Analyse, wo das Unternehmen heute steht.


- Wo steht das Unternehmen heute kulturell?
- Was sind aktuelle Herausforderungen?
- Was sind die größten Hemmnisse derzeit?
- Wo müssen Unternehmen organisatorisch und verhaltenstechnisch besser werden?

Aus diesem Verständnis heraus kann ein langfristiger Fahrplan entstehen. Ein Plan, der Sicherheit nicht als Pflichtprogramm betrachtet, sondern als Bestandteil der gesamten Unternehmenskultur. Nur wenn alle Ebenen eingebunden sind, kann Sicherheit nachhaltig verankert werden.

Kulturwandel braucht Jahre, nicht Wochen. Doch er lohnt sich. Denn dort, wo Fehler offen angesprochen werden, sinken nicht nur die Unfallzahlen. Es entsteht ein Umfeld, das Vertrauen schafft und die Leistungsfähigkeit stärkt.

Fazit: Reden schützt Menschen

Arbeitsunfälle entstehen selten durch Unwissen. Sie entstehen, wenn das System Schweigen belohnt und Unsicherheiten im Verborgenen wachsen. Wer eine echte Präventionskultur entwickeln will, muss psychologische Sicherheit schaffen und ein Umfeld gestalten, in dem Beschäftigte sich trauen, Fehler anzusprechen. Nur wenn Reden sicherer wird als Schweigen, können Unternehmen Risiken früh erkennen, daraus lernen und dauerhaft Unfälle vermeiden.

Über Stefan Ganzke und die WandelWerker Consulting GmbH:

Stefan Ganzke ist zusammen mit Anna Ganzke Gründer und Geschäftsführer der WandelWerker Consulting GmbH. Gemeinsam mit ihrem Team unterstützen die beiden mittelständische Unternehmen und Konzerne dabei, die Arbeitsunfälle kontinuierlich und nachhaltig zu senken sowie eine gelebte Arbeitsschutzorganisation zu entwickeln. Weitere Informationen erhalten Sie unter: https://www.wandelwerker.com

Pressekontakt:

WandelWerker Consulting GmbH
Anna Ganzke&Stefan Ganzke
E-Mail: service(at)wandelwerker.com
Webseite: https://www.wandelwerker.com

Ruben Schäfer
E-Mail: redaktion(at)dcfverlag.de


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Datum: 20.01.2026 - 08:00 Uhr
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