InternetIntelligenz 2.0

kostenlos Pressemitteilungen einstellen | veröffentlichen | verteilen

Pressemitteilungen

 

BCG Global Trade Report: Europas Handelsströme verlagern sich

ID: 2222772

(ots) -
- Welthandel wächst weiter - für die EU verändern sich jedoch die Gewichte ihrer wichtigsten Handelspartner deutlich
- EU-Handel mit den USA und China entwickelt sich unterdurchschnittlich
- An Bedeutung gewinnen regelbasierte, handelsoffene Volkswirtschaften sowie ausgewählte Märkte außerhalb der klassischen Handelsachsen
- EU-Außenhandel legt deutlich stärker zu als Binnenhandel

Der globale Warenhandel bleibt auch in einem zunehmend fragmentierten Umfeld robust und wächst bis 2034 im moderaten Entwicklungspfad jährlich um rund 2,5 Prozent, so eine Prognose der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG). Die Handelsbeziehungen der EU werden sich dabei grundlegend verändern, weil sich die Märkte zunehmend multipolar entwickeln mit Auswirkungen auf die Bedeutung einzelner Handelspartner. Das zeigt der BCG Global Trade Report 2026, der die Entwicklung der weltweiten Handelsströme über einen Zeitraum von zehn Jahren untersucht. Entscheidend für die EU ist dabei weniger das globale Wachstum insgesamt als die Frage, woher dieses Wachstum künftig kommt und wie sich Europas Handelsprofil verändert.

Um diese Dynamik einzuordnen, arbeitet der BCG Global Trade Report 2026 erstmals mit vier unterschiedlichen Entwicklungspfaden für den Welthandel über die kommenden zehn Jahre. Hintergrund ist die wachsende Unsicherheit durch geopolitische Spannungen, industriepolitische Eingriffe und fragmentierte Handelsregeln. In dem von den Beratern als besonders plausibel eingeschätzten, moderaten Trade-Patchwork-Szenario wächst der globale Warenhandel trotz dieser Belastungen weiter und steigt von rund 23 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf knapp 30 Billionen US-Dollar bis 2034. Dieses Wachstum liegt leicht über dem erwarteten globalen Wirtschaftswachstum, geht jedoch mit einer tiefgreifenden Neuordnung der Handelsströme einher: Während einzelne traditionelle Handelsachsen an Bedeutung verlieren, gewinnen neue, politisch und regulatorisch geprägte Verbindungen an Gewicht.





Phase tiefgreifender Neuordnung

Für die Europäische Union zeigen die Daten ein differenziertes Bild: Während der EU-Handel mit den USA und China bis 2034 jeweils nur um rund 1,5 Prozent pro Jahr wächst und damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt bleibt, entwickeln sich andere Partnerschaften spürbar dynamischer. Der Handel der EU mit regelbasierten, handelsoffenen Volkswirtschaften legt im selben Zeitraum im Schnitt um rund 2,5 Prozent jährlich zu, so die Prognose. Innerhalb dieser Gruppe entfällt etwa 40 Prozent des Handelsvolumens auf die EU selbst, was die wachsende Bedeutung eng integrierter Handelsräume unterstreicht. Besonders relevant für Europas künftige Handelsentwicklung sind dabei die Beziehungen zu den EFTA-Staaten, den CPTPP-Ländern, dem Vereinigten Königreich und Südkorea."Der Welthandel tritt nicht in eine Phase des Rückzugs ein, sondern in eine Phase tiefgreifender Neuordnung", sagt Nikolaus Lang, Senior Partner bei BCG und Co-Autor des Reports."Trotz zunehmender geopolitischer Fragmentierung wächst der globale Warenhandel weiter - entlang neuer, politisch geprägter Handelsachsen."

Diese Verschiebungen spiegeln sich auch in der unterschiedlichen Dynamik von EU-Binnen- und EU-Außenhandel wider: Während nach Einschätzung der BCG-Experten der Binnenhandel bis 2034 nur um rund 1,4 Prozent jährlich wächst, entwickelt sich der EU-Außenhandel mit einem Plus von etwa 2,3 Prozent pro Jahr deutlich dynamischer. Das externe Handelsvolumen der EU steigt von rund 5,3Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 6,7 Billionen US-Dollar bis 2034. Für Europas Handelsentwicklung wird also die Positionierung in internationalen Wertschöpfungs- und Handelsnetzwerken immer entscheidender.

Diversifizierung wird strategische Notwendigkeit

Besonders deutlich zeigen sich die strukturellen Herausforderungen der EU in ihren sektoralen Abhängigkeiten. In Branchen wie Automobil&Mobilität, Maschinenbau und Biopharma entfallen in einzelnen Segmenten jeweils mehr als 30 bis 40 Prozent des Handelsvolumens auf die USA und China. Diese Konzentration erhöht die Anfälligkeit europäischer Wertschöpfungsketten gegenüber handelspolitischen Eingriffen und geopolitischen Spannungen. Diversifizierungsstrategien können Risiken reduzieren, gehen jedoch mit einer steigenden Komplexität wirtschaftlicher und politischer Abstimmungsprozesse innerhalb der EU einher.

"Die EU bleibt in zentralen Industrien stark von den USA und China abhängig", betont Lang, der auch den Vorsitz des BCG Henderson Institute innehat."Diese Verwundbarkeit zwingt Europa, wirtschaftliche Sicherheitsinteressen und das Bekenntnis zu regelbasiertem Handel neu auszubalancieren - Diversifizierung wird damit zur strategischen Notwendigkeit."Und auch jenseits Europas zeigen sich unterschiedliche Entwicklungsdynamiken im Welthandel: Der BCG Global Trade Report zeigt, dass insbesondere der Handel zwischen BRICS+-Staaten (ohne China) sowie mit Teilen des Global South bis 2034 jeweils um rund 3 Prozent pro Jahr zunimmt. China baut seine wirtschaftlichen Beziehungen zu diesen Märkten weiter aus; der Handel mit anderen BRICS+-Staaten wächst im gleichen Zeitraum um rund 5,5 Prozent jährlich. Dagegen verliert der direkte Handel zwischen den USA und China weiter an Bedeutung und geht bis 2034 um rund 4,5 Prozent zurück. Gleichzeitig wächst der Warenhandel der USA insgesamt mit nur rund 1,5 Prozent pro Jahr deutlich langsamer als der globale Durchschnitt.

Implikationen für Wirtschaft und Politik

Vor diesem Hintergrund wird Europas Handelszukunft zur strategischen Gestaltungsaufgabe. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Handels- und Lieferketten stärker an unterschiedliche Handelsräume anpassen und geopolitische Risiken systematisch in Investitions- und Standortentscheidungen einbeziehen. Gleichzeitig stehen politische Entscheidungsträger vor der Aufgabe, wirtschaftliche Offenheit, industriepolitische Steuerung und das Bekenntnis zu regelbasiertem Handel in einem komplexeren globalen Umfeld auszubalancieren."Die EU steht vor einem strukturellen Wendepunkt", sagt BCG-Partner Nikolaus Lang."Das künftige Handelswachstum wird vor allem aus Partnerschaften mit gleichgesinnten Volkswirtschaften kommen - nicht aus dem Binnenmarkt allein."

Über die Studie

Der BCG Global Trade Report 2026 analysiert die Entwicklung des weltweiten Warenhandelsüber einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2034. Grundlage ist das BCG Global Trade Model, das auf historischen Handelsdaten, makroökonomischen Indikatoren und szenariobasierten Annahmen beruht. Der Bericht untersucht Handelsströme zwischen mehr als 150 Ländern und ordnet sie in regionale und handelspolitische Kontexte ein. Angesichts der zunehmenden Unsicherheit im globalen Handelsumfeld arbeitet der Report erstmals mit vier möglichen Entwicklungspfaden, um unterschiedliche wirtschafts- und geopolitische Rahmenbedingungen abzubilden.

Über BCG

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung 1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel: Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können.

BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie unternehmerischer Umsetzungskraft - von digitalen Geschäftsmodellen bis zu Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen, funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven - sie hinterfragen den Status quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei unseren Kunden - über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000 Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.

Weitere Informationen: www.bcg.com

Pressekontakt:

Boston Consulting Group
Simona Gulich
Media Relations Specialist
T + 49 151 10386025
simona.gulich(at)bcg.com


Original-Content von: The Boston Consulting Group,übermittelt durch news aktuell


Themen in diesem Fachartikel:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  an Freund senden  
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 08.01.2026 - 11:35 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2222772
Anzahl Zeichen: 0

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

München



Kategorie:



Dieser Fachartikel wurde bisher 1 mal aufgerufen.


Der Fachartikel mit dem Titel:
"BCG Global Trade Report: Europas Handelsströme verlagern sich"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

The Boston Consulting Group (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).


Alle Meldungen von The Boston Consulting Group



 

Wer ist Online

Alle Mitglieder: 50.288
Registriert Heute: 0
Registriert Gestern: 0
Mitglied(er) online: 0
Gäste Online: 48


Bitte registrieren Sie sich hier. Als angemeldeter Benutzer nutzen Sie den vollen Funktionsumfang dieser Seite.