Acht Produktionslinien mit 30 Maschinen und 200 Silos – und ein Feinplanungssystem

11.06.2015 - 13:52 | 1223776


Artikel von FASTEC GmbH

Aus einer in den 1980er Jahren stillgelegten Walzmühle entstand 1990 die PrimaVera Naturkorn GmbH mit Sitz im oberbayrischen Mühldorf. Die jahrhundertelange Tradition der Mühle reicht bis weit ins 15. Jahrhundert zurück. Mittlerweile beschäftigt das mittelständische Unternehmen 55 Mitarbeiter und verzeichnet einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro.
Ein Produktionsunternehmen dieser Größe kann inzwischen nicht mehr auf ein vollautomatisches Feinplanungssystem verzichten – zumal bei mehr als 800 teilweise chargenrein produzierten Produkten, der Vielzahl an Maschinen und der mehr als 200 Silos eine Unmenge an Produktionsprozessen ineinander greifen.


Hohe Anforderungen an Planungssystem aufgrund komplexer Siloproblematik

Zur Minimierung von Reinigungszeiten sowie zur Vermeidung von unzulässigen Kontaminationen verfügt die Mühle der PrimaVera Naturkorn insgesamt über acht verschiedene, getreidespezifische Produktionslinien, verteilt auf 30 Maschinen und über 200 Silos. Bei mehr als 800 Produkten, die teilweise chargenrein produziert werden müssen, stellt die Produktionsplanung keine einfache Aufgabe dar. „Im April 2011 kamen wir auf die Idee, die sehr zeitaufwändige und fehleranfällige Auftragsplanung in Excel durch ein optimierungsbasiertes, vollautomatisches Planungssystem abzulösen“, erinnert sich Sebastian Huber, einer der Geschäftsführer der PrimaVera Naturkorn. „Nachdem wir uns einige professionelle Planungssysteme angeschaut hatten, wurde uns bewusst, dass unsere Anforderungen erheblich komplexer als die der meisten anderen Produktionsfirmen waren. Neben der Notwendigkeit, die Materialverfügbarkeit auf Chargenebene einzubeziehen, waren es vor allem die zwischen unsere Anlagen geschalteten Silos, die den verschiedenen Anbietern erhebliche Probleme bei der Abbildung unserer Planung bereiteten. FASTEC war der einzige Anbieter, der sich zutraute, dieses Problem zu lösen“, führt Sebastian Huber weiter aus. Das Paderborner IT-Unternehmen FASTEC bietet unter anderem das modulare Manufacturing Execution System (MES) FASTEC 4 PRO an, dessen einzelne Module – wie Feinplanung, Maschinendatenerfassung, Traceability etc. – auch als Stand-Alone-Lösungen einsetzbar sind.
Josef Gaigl, ebenfalls Geschäftsführer der PrimaVera Naturkorn, zeigt sich beeindruckt und ergänzt: „Zusätzlich überzeugte uns bei FASTEC 4 PRO noch die Vielzahl der bereits vorhandenen Funktionen. So konnten wir davon ausgehen, dass wir uns auch in Zukunft bei Erweiterungswünschen auf bewährte und schnell integrierbare MES-Module verlassen können.“

Einführung des Planungssystems

Der Beginn des gemeinsamen Projekts war im März 2012. Nachdem die Schnittstelle zum vorhandenen ERP-System MKS Goliath innerhalb weniger Wochen erfolgreich umgesetzt wurde, nahm man die Sonderprogrammierung für die Siloproblematik in Angriff. Die Silo- bzw. Behälterproblematik stellt sich folgendermaßen dar: das Getreide wird zwischen den Arbeitsgängen Reinigen, Schälen, Mahlen und Verpacken in eines von mehreren möglichen Silos chargenrein gefördert. Dort verbleibt es, bis das Silo durch seinen Nachfolge-Arbeitsgang wieder entleert worden ist. Der jeweilige Prozess kann also erst dann mit dem nächsten Arbeitsgang fortfahren, wenn mindestens eines seiner nachgeschalteten Silos leer ist. Im Gegensatz zu einer klassischen Produktion kann es also passieren, dass eine Anlage blockiert ist und nicht produzieren kann.


„Nach Durchführung der ersten Testläufe fielen uns jedoch schnell einige Ungereimtheiten auf. Stammdatenfehler, die jahrelang nicht bemerkt worden waren, fielen bei der Betrachtung der Planungsergebnisse im grafischen Leitstand sofort ins Auge“, erinnert sich Sebastian Huber.
Parallel zur Inbetriebnahme des Planungssystems wurde eine Schnittstelle zum bereits vorhandenen Betriebsdatenerfassungssystem aufgebaut. Hierüber erhält der Leitstand in Echtzeit Informationen über Auftragsfortschritte und Störungen und kann diese beim nächsten Planungslauf direkt mit einfließen lassen.
Eine weitere Besonderheit bei einer Mühle stellt die Tatsache dar, dass es sich zumeist um Koppelproduktionen handelt. So fallen z. B. beim Schälen Nachprodukte an, die ebenfalls in Silos zwischengelagert werden. Diese Nachprodukte bzw. Koppelprodukte, die unter anderem auch in der Futtermittelproduktion eingesetzt werden, dürfen allerdings im Gegensatz zu den Hauptprodukten nicht chargenrein verplant werden. Die Planungslogik muss also immer dafür sorgen, dass ein Silo zunächst komplett gefüllt und anschließend möglichst schnell wieder entleert wird. „Auch bei dieser Anforderung, die sich erst im Projektverlauf konkretisiert hat, erwies sich FASTEC als flexibler Partner, der bereits innerhalb kurzer Zeit eine Lösung lieferte“, resümiert Sebastian Huber.
Mittlerweile wird das System von der PrimaVera Naturkorn seit Anfang 2013 täglich genutzt. Sebastian Huber sieht die größten Vorteile darin, dass neben einer drastisch verkürzten Planungszeit, die jeden Tag für die Erzeugung des Produktionsplans benötigt wird, auch zuverlässigere Aussagen über Liefertermine an die Kunden möglich sind. „Zudem werden mögliche Verspätungen sofort visualisiert, so dass eine schnellere Information bzw. Benachrichtigung unserer Kunden möglich ist“, stellt Sebastian Huber zufrieden fest. Außerdem mache sich der Einsatz des neuen Planungssystems durch reduzierte Rüstzeiten sowie kürzere Auftrags-Durchlaufzeiten bemerkbar.

Mit Manufacturing Execution System (MES) in die Zukunft

„Wie alle energieintensiven Unternehmen in Deutschland sehen wir uns ebenfalls damit konfrontiert, unsere Energieverbräuche zu dokumentieren und zu senken. Hierfür waren wir bereits seit Monaten auf der Suche nach einem geeigneten System. Vor einigen Wochen hatten wir uns bereits für ein spezialisiertes, eigenständiges System zur Energieverbrauchserfassung entschieden. Als wir dann feststellten, dass FASTEC ebenfalls ein solches MES-Modul anbietet, haben wir unsere Entscheidung revidiert und planen nun die Umsetzung mit FASTEC innerhalb der nächsten vier Monate. Der große Vorteil besteht für uns darin, dass das Energiemonitoring dann nahtlos in unser bestehendes FASTEC 4 PRO-System integriert ist. So können wir nicht nur das flexible Online-Monitoring nutzen, sondern sogar den Energieverbrauch pro Artikel bzw. pro Fertigungsauftrag auswerten“, freut sich Josef Gaigl mit Blick auf das nächste gemeinsame Projekt.

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