100.000 Euro für die Notfall- und Intensivmedizin in Tansania / Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Entwicklungszusammenarbeit 2019 verliehen (FOTO)

21.10.2019 - 14:28 | 1763787


Artikel von Else Kr



(ots) -
Den Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische
Entwicklungszusammenarbeit 2019 erhält in diesem Jahr Dr. Martin
Rohacek vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss
TPH) für sein Projekt "Aufbau und Organisation einer Notfallstation
im St. Francis Referral Hospital in Ifakara (Tansania)".

Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) verlieh den mit 100.000
Euro dotierten Preis dem Schweizer Internisten und Notfallmediziner
für sein humanitäres Engagement und seine langjährige Arbeit in
Tansania. Seit September 2015 setzt Rohacek dort das Projekt in enger
Zusammenarbeit mit dem St. Francis Krankenhaus, weiteren lokalen
Partnern und dem Universitätsspital Basel um.

Die Preisverleihung fand am 17. Oktober 2019 im Bundesministerium
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Berlin
statt. Den Preis übergab Dr. Dieter Schenk, Vorsitzender des
Stiftungsrates der Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS), im Beisein
des Parlamentarischen Staatssekretärs für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung Norbert Barthle. Die Festrede hielt
Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären
Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin. In dieser gab er einen
Einblick in die Diskrepanz der Intensiv- und Notfallmedizin - einer
Überversorgung in Deutschland und einer "in vielen Teilen der Welt
herrschenden unfassbaren medizinischen Unterversorgung von Menschen."

Preisträgerprojekt: Notfallstation in Ifakara

Rohacek hat im ländlichen Ifakara eine Notfallstation aufgebaut -
mit einem Triage-System sowie der Diagnose und Behandlung von
mittlerweile jährlich 36.000 Erwachsenen und Kindern. Wie Prof. Dr.
Paris, Leiter Departement Medizin am Swiss TPH, in seiner bewegenden
Laudatio betonte, gab es vor dem Start des Projektes keinerlei
Notfallversorgung in dieser Region. Mittlerweile dient das


Krankenhaus als Zuweisungszentrum für eine ländliche Bevölkerung von
rund einer Million Menschen. Die Notfallstation operiert im
Dreischicht-Betrieb 24 Stunden pro Tag und wird von lokalen Ärzten
geleitet.

"Obwohl Notfallmedizin in Entwicklungsländern zunehmend als
zentraler Baustein des Gesundheitssystems wahrgenommen wird,
betreiben nur sehr wenige Krankenhäuser im südlich der Sahara
gelegenen Afrika eine Notfallstation mit einer Triagierung von
Patienten. Das Preisträger-Projekt hat somit Leuchtturm-Charakter und
füllt eine relevante Lücke im notfallmedizinischen Angebot", erklärt
Dr. Judith von Heusinger, zuständig für die medizinisch-humanitäre
Entwicklungszusammenarbeit der EKFS.

Rohacek bildet im St. Francis Referral Hospital Medizinpersonal in
Notfallmedizin, Ultraschall und Echokardiographie aus und führt
klinische Forschungsprojekte durch. "Etwa 100.000 Patienten aus drei
Distrikten im Umkreis von 150 Kilometern haben bisher vom Projekt
profitiert", betont Rohacek. "Die Patienten sind oft sehr krank. Am
häufigsten behandeln wir Infektions-, aber auch Herz- oder
gynäkologische Krankheiten. Zehn Prozent der Patienten kommen wegen
eines Unfalls zu uns", erklärt der Mediziner weiter. "Die zumeist
schwerkranken Menschen benötigen rasch Hilfe. Je länger man mit der
Diagnose und der dementsprechenden Therapie wartet, desto schlechter
ist die Überlebenswahrscheinlichkeit für den Patienten."

Im Rahmen des Projekts hat Rohacek zwei wichtige diagnostische
Methoden eingeführt. Die Echokardiographie kann Klarheit über
Herzprobleme bringen. Mit Hilfe von Ultraschall können
lebensbedrohliche Zustände wie innere Blutungen schnell erkannt und
behandelt werden. "Das Personal geht souverän mit den Geräten um. Ein
Ergebnis des intensiven Trainings, das ein weiteres Kernstück des
Projektes ist", verdeutlicht Rohacek.

Zehn Kliniker und 13 Pflegefachkräfte des St. Francis Hospitals
haben eine Ausbildung in Notfallmedizin, Ultraschall oder
Echokardiographie erhalten. 40 junge Ärzte konnten nach ihrem
Studienabschluss mehrmonatige Erfahrungen in der Notfallstation
sammeln. Die Notfallstation in Ifakara hat inzwischen
Vorbildcharakter. Das tansanische Gesundheitsministerium plant einen
landesweiten Ausbau nach diesem Standard.

Stärkung lokaler Strukturen, Verbesserung der Patientenversorgung
und Ausbildung von Fachkräften

Mit dem Preisgeld soll insbesondere das Training des medizinischen
Personals in Ifakara langfristig fortgeführt und intensiviert sowie
weitere lokale Instruktoren für Notfallmedizin und Ultraschall
ausgebildet werden. "Das Projekt trägt zur Stärkung lokaler
Strukturen und einer verbesserten Patientenversorgung bei. Durch den
Fokus auf die Ausbildung von Fachkräften in der Notfallstation,
sollen nachhaltig Erfolge erzielt werden", betont Dr. von Heusinger.

Notizen für die Redaktionen - Eckdaten zur Preisverleihung

Preis: Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische
Entwicklungszusammenarbeit 2019

Preisträger: Dr. Martin Rohacek, Projektleiter der Notfallstation
am St. Francis Referral Hospital, Ifakara in Tansania und des
Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts (Swiss TPH)

Projekt: "Aufbau und Organisation einer Notfallstation im St.
Francis Referral Hospital in Ifakara (Tansania)"

Preisverleihung: 17. Oktober 2019 um 19:00 Uhr im
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) in Berlin mit Reden von:

- Norbert Barthle, Parlamentarischer Staatssekretär für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mit dem Thema
"Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert" sowie

- Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen
Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, mit
dem Thema "Überversorgung hier - fehlende Ressourcen dort"

Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische
Entwicklungszusammenarbeit

Die EKFS vergibt jährlich den Else Kröner Fresenius Preis für
Medizinische Entwicklungszusammenarbeit, der besonderes Engagement in
der Entwicklungszusammenarbeit würdigt. Gewürdigt werden Projekte
weltweit, die auf herausragende Art und Weise der Verbesserung der
Gesundheitsversorgung dienen. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert
- Geld, das unmittelbar für die Projekte verwendet wird. Der Preis
wird jedes Jahr zu einem anderen Themenschwerpunkt ausgeschrieben,
die Preisausschreibung erfolgt im Frühjahr.

Über die Else Kröner-Fresenius-Stiftung (EKFS) - Forschung
fördern. Menschen helfen.

Die gemeinnützige Else Kröner-Fresenius-Stiftung widmet sich der
Förderung medizinischer Forschung und unterstützt
medizinisch-humanitäre Projekte. Die Stiftung wurde im Jahr 1983 von
der Unternehmerin Else Kröner gegründet und zu ihrer Alleinerbin
eingesetzt. Die EKFS bezieht nahezu alle ihre Einkünfte aus
Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte
Aktionärin sie ist. Bis heute hat sie rund 1.780 Projekte gefördert.
Mit einem jährlichen Fördervolumen von aktuell über 50 Millionen Euro
ist sie eine der größten Medizin fördernden Stiftungen Deutschlands.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.ekfs.de.

Swiss TPH - Kompetenz für Gesundheit weltweit

Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH)
ist ein weltweit renommiertes Institut auf dem Gebiet der globalen
Gesundheit mit besonderem Fokus auf Länder mit niedrigen und
mittleren Einkommen.

Assoziiert mit der Universität Basel, verbindet das Swiss TPH
Forschung, Dienstleistungen und Lehre und Ausbildung auf lokaler,
nationaler und internationaler Ebene. Etwa 850 Personen aus 80
Ländern arbeiten am Swiss TPH in Bereichen wie Infektionskrankheiten
und nicht-übertragbare Krankheiten, Umwelt, Gesellschaft und
Gesundheit, sowie Gesundheitssysteme und -programme. www.swisstph.ch



Pressekontakt:
Else Kröner-Fresenius-Stiftung
Bianka Jerke
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: + 49 6172 8975-24
E-Mail: b.jerke(at)ekfs.de

Swiss TPH
Sabina Beatrice-Matter
Leiterin Kommunikation
Tel: +41 61 284 8364
E-Mail: sabina.beatrice(at)swisstph.ch

Ifakara Health Institute
IHI Communications
Plot 463, Kiko Avenue, Mikocheni, Dar es Salaam, Tanzania
Tel.: +255 222 774 756
E-Mail: communications(at)ihi.or.tz | info(at)ihi.or.tz

Original-Content von: Else Kröner-Fresenius-Stiftung, übermittelt durch news aktuell

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