Klimaneutral leben - Behalten Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz im Blick (AUDIO)

19.09.2019 - 14:37 | 1754984


Artikel von UBA - Umweltbundesamt



(ots) -
Anmoderationsvorschlag:

Egal, ob beim Einkaufen, Verreisen oder beim Heizen der eigenen
vier Wände: Bei allem was wir tun, hinterlassen wir unseren ganz
persönlichen ökologischen Fußabdruck. So produziert zum Beispiel
jeder von uns im Durchschnitt pro Jahr 11,6 Tonnen des
klimaschädlichen Treibhausgases CO2. Wie Sie Ihren eigenen
CO2-Ausstoß berechnen und senken können, darüber sprechen wir kurz
vor der entscheidenden Sitzung des Klimakabinetts am 20. September
mit Dr. Michael Bilharz vom Umweltbundesamt (UBA), hallo.

Begrüßung: "Schönen guten Tag!"

1. Herr Bilharz, wie schneidet Deutschland im Vergleich zu anderen
Nationen beim CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr ab?

O-Ton 1 (Dr. Michael Bilharz, 45 Sek.): "Der deutsche
Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 liegt bei rund 11,6 Tonnen und damit deutlich
über dem Weltdurchschnitt, aber auch noch deutlich über dem EU-Wert
von acht bis neun Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Der Grund: Unser
ganzer Konsum ist sehr stark auf der Verbrennung von Kohle, Öl und
Erdgas ausgerichtet. Aber auch unser Fleischkonsum und die
verknüpften Methanemissionen sind überdurchschnittlich hoch. Wir
tragen deshalb in Deutschland auch eine besondere Verantwortung, von
diesem hohen CO2-Wert herunterzukommen. Denn aus Klimaschutzgründen
müssen wir spätestens bis 2050 auf unter eine Tonne
Treibhausgas-Emission pro Person und Jahr kommen, um die Paris-Ziele
zu erreichen, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten."

2. Wen ich Sie richtig verstehe, appellieren Sie an jeden
Einzelnen von uns, mitzumachen. Wenn das Verzicht bedeutet, wird das
aber sehr schwer werden...

O-Ton 2 (Dr. Michael Bilharz, 37 Sek.): "Ich denke, wichtig ist,
dass man nicht nur zuerst auf sich selbst schaut, sondern sich daran
erinnert, Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Da geht es nicht


nur um den eigenen Konsum. Es ist hilfreich, dabei zu wissen: Ich
kann CO2 auch bei anderen, auch mit anderen einsparen. Zum Beispiel,
indem ich in bestehende Klimaschutzprojekte investiere und so meinen
eigenen CO2-Ausstoß kompensiere. Oder indem ich mich finanziell beim
Ausbau erneuerbarer Energien beteilige. Das ist oft einfacher, oft
wirkungsvoller, als mit schlechtem Gewissen kleine
CO2-Einsparmöglichkeiten im Alltagskonsum detektivisch aufzuspüren."

3. Und wer bei sich selbst ansetzen will: Wie geht man da am
besten vor?

O-Ton 3 (Dr. Michael Bilharz, 31 Sek.): "CO2-Sparen geht am besten
mit dem Blick auf die Big Points, das heißt auf die Maßnahmen, die
besonders viel CO2 einsparen können. Ich frage: Beziehe ich Ökostrom?
Nutze ich für Kurzstrecken mein Fahrrad? Ist mein Haus gut gedämmt?
Kaufe ich Bioprodukte? Oder was auch effektiv ist: weniger tierische
Lebensmittel zu konsumieren. Oder beispielsweise mit dem Giro-Konto
zu einer ökologischen Bank zu wechseln, Mitgliedschaft in einem
Klimaschutzverband. All das sind gute Dinge und vor allem: seltener
ins Flugzeug zu steigen."

4. Wird das unser Leben aber nicht komplett auf den Kopf stellen?

O-Ton 4 (Dr. Michael Bilharz, 43 Sek.): "Nein, auch wenn wir
klimaneutral leben, wird der Strom weiterhin aus der Steckdose
kommen. Wir werden auch zukünftig automobil sein. Aber ich denke, wir
müssen die Strukturen, die Anreize, die unser Verhalten lenken, so
verändern, dass klimafreundliches Verhalten den Normalfall darstellt.
Das gilt für die gesellschaftlichen Strukturen wie auch für die
Alltagsstrukturen. Ich nenne einfach mal ein Beispiel: Wer ein Auto
hat, der nutzt es auch - allein schon deshalb, weil es fahrbereit vor
der Tür steht. Bei Car-Sharing hingegen ist es so, dass man nur dann
Auto fährt, wenn man es wirklich braucht. Anderes Beispiel: Wenn ich
einmalig mein Haus dämme, muss ich mir nicht ständig Gedanken machen,
wie ich beim Heizen jetzt noch Energie sparen kann, sondern das
passiert dann quasi automatisch."

5. Ich denke, vielen ist vielleicht auch gar nicht so richtig
bewusst, wie viel CO2 sie produzieren. Wie kann man sich das denn mal
klar vor Augen führen?

O-Ton 5 (Dr. Michael Bilharz, 39 Sek.): "Grundsätzlich kann man
sagen: Je höher das Einkommen, desto höher der eigene CO2-Fußabdruck.
Denn es ist so, dass Menschen mit höherem Einkommen in der Regel eine
größere Wohnung besitzen, sie haben mehr Dinge im Haushalt, größere
Autos, oft auch mehr Autos und sie reisen auch viel mehr.
Gleichzeitig hat man aber natürlich mit höherem Einkommen auch mehr
Möglichkeiten CO2 einzusparen. Also beispielsweise durch eine
ökologische Geldanlage in erneuerbare Energien, energetische
Sanierungen, aber auch durch den Kauf von Bio-Produkten. Das heißt,
Geld kann gut CO2 einsparen, neigt aber auch dazu, höhere
CO2-Emissionen zu verursachen."

6. Und wenn man mal ganz genau wissen möchte, wie hoch der eigene
CO2-Fußabdruck ist?

O-Ton 6 (Dr. Michael Bilharz, 38 Sek.): "Wer genau wissen möchte,
wie hoch der eigene CO2-Fußabdruck ist, also wie man im Vergleich zum
deutschen Durchschnitt beispielsweise auch dasteht, kann dies mit dem
UBA-CO2-Rechner in rund 10 bis 20 Minuten selber und einfach
bestimmen. In dem Fall ist es auch hilfreich, wenn man seine Heiz-
und Stromkostenabrechnung parat hat, ebenso den Autokilometerstand.
Dann geht es sehr einfach und schnell, am Ende des CO2-Rechners geben
wir dann mit unserem Szenario-Tool auch viele Hinweise, wie man den
eigenen Fußabdruck verbessern, optimieren kann und was das dann auch
im Einzelfall bringen würde. Ich denke, man wird überrascht sein, was
da alles möglich ist."

Dr. Michael Bilharz vom Umweltbundesamt mit Tipps zur Verbesserung
der persönlichen CO2-Bilanz. Danke für das Gespräch!

Verabschiedung: "Gerne!"

Abmoderationsvorschlag:

Wenn Sie auch wissen möchten, wie Ihre ganz persönliche CO2-Bilanz
aussieht, dann klicken Sie doch einfach mal auf uba.co2-rechner.de.



Pressekontakt:
Felix Poetschke
Pressesprecher

Referat "Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit, Internet"

Umweltbundesamt
Wörlitzer Platz 1
06844 Dessau-Roßlau

Telefon: +49 (0)340 2103 2675
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