Große Unterschiede in der Schlaganfall-Versorgung in Europa (FOTO)

12.05.2017 - 09:00 | 1490633


Artikel von Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe wagner.jpg



(ots) -
Die europäische Schlaganfall Patienten-Organisation Stroke
Alliance for Europe (SAFE) hat gestern den lang erwarteten,
ausführlichen Überblick über die Situation der
Schlaganfall-Versorgung in Europa vorgestellt. Vor Mitgliedern des
EU-Parlaments präsentierte das Präsidium von SAFE gemeinsam mit der
europäischen Schlaganfall-Fachgesellschaft (ESO) die wichtigsten
Forschungsergebnisse des King''s College London aus 35 europäischen
Ländern.

Die schlaganfall-bedingten Todesraten in Europa sind innerhalb der
letzten 20 Jahre kontinuierlich gesunken. Dennoch stellt der
Schlaganfall nach wie vor eine große Herausforderung dar. Patienten,
die den Schlaganfall überleben, müssen mit teilweise schweren
Beeinträchtigungen und Behinderungen umgehen.

Die standardisierten Berechnungen des Reports zeigen auf, dass die
Schlaganfall-Zahlen innerhalb der nächsten Jahre dramatisch ansteigen
werden, hauptsächlich aufgrund der zunehmenden Alterung der
europäischen Bevölkerung. Die von Statistikern erstellten
Projektionen des "Burden of Stroke Reports" zeigen auf, dass zwischen
2015 und 2035 die Gesamtzahl der Schlaganfallereignisse in der EU um
34% ansteigen wird. Europaweite standardisierte Vergleiche sind von
zentraler Bedeutung, um eine bessere Versorgung und Unterstützung für
alle Schlaganfall-Betroffenen zu erzielen. Sie werden im Report durch
gute Praxisbeispiele in einzelnen Ländern ergänzt.

SAFE fordert jedes EU-Land auf, ein strukturiertes System der
Datenerhebung zu etablieren, an der Schlaganfall-Versorgung
beteiligte Einrichtungen regelmäßig im Rahmen von Audits zu
überprüfen und sich dabei europaweit abzustimmen, um von guten
Beispielen zu lernen. "Ein solches Vorgehen erleichtert die
Einordnung und Verbesserung der Leistungsfähigkeit und beschleunigt
den Prozess der Qualitätsverbesserung der Schlaganfall-Versorgung in


Europa", sagt Dr. Markus Wagner.

Der Experte der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ist
gleichzeitig Vizepräsident von SAFE und stellte den Bericht im
EU-Parlament vor. Viele Millionen Menschen reisten innerhalb Europas
von Land zu Land. Es sei eine erschreckende Vorstellung, eine
exzellente Versorgung in einem Land oder einer bestimmten Region zu
erhalten und in einem anderen Land deutlich schlechtere Strukturen
vorzufinden, mit möglicherweise katastrophale Folgen bei einem
Schlaganfall.

Die Gesamtkosten des Schlaganfalls in Europa im Jahr 2015 betrugen
rund 45 Milliarden Euro. Der Report prognostiziert einen deutlichen
Anstieg der direkten Gesundheitskosten als auch der indirekten
Kosten. Die Hochrechnungen zeigen weiterhin, dass auch die Zahl der
Menschen, die mit dem Schlaganfall als chronische Erkrankungen leben
müssen, bis zum Jahr 2035 um ca. 25 Prozent ansteigen wird. Auf diese
Welle in einer Größenordnung von rund 1 Million zusätzlicher, mit der
Erkrankung lebender Patienten im Jahr 2035 müssten sich die
Gesundheitssysteme in Europa möglichst bald einstellen. Ein
Schlaganfall-Aktions-Plan sei notwendig, damit der erwartete Anstieg
die nationalen Gesundheitssysteme nicht vollkommen überfordere.

Nach Meinung von SAFE braucht jedes einzelne EU-Mitgliedsland eine
nationale Schlaganfall-Strategie, die durch die jeweilige Regierung
unterstützt und getragen wird. Diese Strategie muss den gesamten
Versorgungspfad abbilden: von der Bevölkerungsaufklärung und
Prävention über die Diagnose und Behandlung in einer spezialisierten
Schlaganfall-Station sowie der systematischen Überleitung in eine
spezialisierte Rehabilitation bis in die strukturierte, ambulante
Nachsorge. "Der Report zeigt auf, dass in der Akutversorgung des
Schlaganfalls in den letzten Jahren viel in Europa getan worden ist
und Deutschland im Vergleich eine sehr gute Versorgungsstruktur
besitzt", resümiert Markus Wagner. "Es wird aber auch sehr deutlich,
dass die Strukturen der Langzeitversorgung und Unterstützung der
Patienten z.B. in Bezug auf die soziale Integration in praktisch
allen europäischen Ländern deutlich vernachlässigt worden sind und
eine konzertierte Entwicklung von patientennahen Modellen und
Strategien notwendig ist".

Den Burden of Stroke Report finden Sie hier: www.strokeeurope.eu
www.safestroke.eu



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